Therapie

Bonner Forscher schalten Depressionen aus

Forscher der Universität Bonn schalten Depressionen aus, indem sie bestimmte Faserbahnen reizen

Dem Forscherteam um Prof. Thomas Schläpfer der Therapie Resistenten Depressionen gelang es, Depressionen vollkommen „abzuschalten“.

Nach Angaben der Ärztezeitung wurden die bislang unveröffentlichten Ergebnisse beim DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde)-Kongress vom 23.-26.November in Berlin vorgestellt.

Demnach ist es den Forschern gelungen über einen bestimmten Schalter im Gehirn Depressionen vollkommen auszuschalten. Dabei scheint die Stimulation der medialen Vorderhirnbündel entscheidend für den Erfolg zu sein. Die Ergebnisse zur Tiefenhirnstimulation (THS) bei schwerer Depression führten die Forscher dazu, die medialen Vorderhirnfasern zu reizen. Bislang wurde die THS in Strukturen des Belohnungssystems getestet, das bei Depressiven nur mangelhaft funktioniert. (D.h. Cingulum, ventraler Striatum, Nucleus accumbens). Diese Orte sprachen zu 50-60 Prozent auf die Reize an. Da diese Strukturen Signale über das mediale Vorderhirnmündel Signale vom ventralen Tegmentum erhalten, reizten die Forscher diese Fasern direkt. Die Patienten reagierten sofort.

Die sieben Patienten, bei denen ein Hirnstimulator an den Vorderhirnbündeln implantiert wurde, waren äußerst depressiv: auf der Hamilton-Depressionsskala zwischen 30 und 40. Dieser Wert fiel gleich bei Beginn der Stimulation deutlich ab. Nach zwei Tagen war er um mehr als die Hälfte gesunken.

Allerdings wurden die Tests erst an sieben Patienten durchgeführt. Eine größere Patientenzahl, die auf ähnliche Weise positiv auf die Therapie reagiert, würde die Ergebnisse bestätigen. Ziel ist es, Patienten dauerhaft von Depressionen zu heilen. Außerdem hoffen die Ärzte darauf, Methoden zu entwickeln, mit denen sie die Hirnstrukturen nicht invasiv modulieren können.

Die Brain Stimulation Group unter der Leitung von Prof. Schläpfer, existiert seit 2003 an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Bonn: „Unsere Forschungsschwerpunkte umfassen Hirnstimulationsverfahren wie die Tiefe Hirnstimulation (THS), die Elektrokrampftherapie (EKT), die Magnetkrampftherapie (MKT) und die Tiefe Hirnstimulation (TMS)“, so die Brain Stimulation Group.

 

Mehr zum Thema: Kleinhirn des Menschen beeinflusst Orientierungssinn

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *