Bildungspolitik

Deutschland wird attraktiv für ausländische Ärzte und Pfleger

Im Ausland erworbene Berufsqualifikationen sollen zukünftig leichter anerkannt werden

Zukünftig soll es leichter werden, im Ausland erworbene Berufsqualifikationen in Deutschland anerkennen zu lassen. Das beschloss die Bundesregierung am  4. November. Das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ soll am 1. März 2012 in Kraft treten. Betroffen sind 350 Berufe wie Handwerksberufe und Ausbildungsberufe nach dem Ausbildungsgesetz.

Mit dem sogenannten Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz haben Unionsbürger sowie Drittstaatenangehörige in Zukunft einen Rechtsanspruch auf ein Bewertungsverfahren. Bislang hatten nur Spätaussiedler Anspruch auf eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung. Mit Eintreten des neuen Gesetzes sollen zuständige Stellen die Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen prüfen, um das hohe Niveau der deutschen Abschlüsse zu gewährleisten. Eine Entscheidung soll innerhalb von drei Monaten getroffen werden. Für die Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist das neue Gesetz ein „großer Fortschritt“.

Bislang konnten berufliche Qualifikationen, die Deutsche als auch nach Deutschland Zugewanderte, im Ausland erworben hatten, in Deutschland nicht verwertet werden. Bewertungsverfahren und Bewertungsmaßstäbe fehlten. Die Berufsausübung bei einer Reihe von Berufen in Deutschland sowie der Zugang zu den entsprechenden Anerkennungsverfahren war an die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaates geknüpft. Künftig hingegen sollen Inhalt und Qualität der Berufsqualifikation ausschlaggebend sein – nicht die Staatsangehörigkeit oder die Herkunft. Vorteile hätten dadurch auch Migranten. Bislang konnte zum Beispiel ein Arzt mit türkischem Pass, der in Deutschland studiert hatte, keine Approbation erhalten, auch wenn er die fachlichen Voraussetzungen mitbrachten. Die Bundesministerin nennt das Gesetz ein „wichtiges Signal im Hinblick auf Integration“. Ziel ist, Deutschland attraktiver für qualifizierte Zuwanderung zu machen.

Besonders ist Medizin- und Erziehungsberufen sowie im Pflegebereich und den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) gibt es in Deutschland – auch bedingt durch den demographischen Wandel – einen Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Nach einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegeben Sonderauswertung des Mikrozensus` 2008 zufolge leben rund 2,9 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die ihren höchsten beruflichen Abschluss im Ausland erworben haben. Schätzungen zufolge streben 300.000 von ihnen an, ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen. Besonders von Arbeitslosen oder Menschen mit einem ausländischen Berufsschulabschluss, die unter ihrer Qualifikation beschäftigt sind, wird erwartet, dass sie ein großes Interesse an der Anerkennung ihrer Qualifikationen haben.

Um dieses Potential zu nutzen, sollen bundesweit möglichst einheitliche Bewertungen zu beruflichen Auslandsqualifikation zu Verfügung stehen.

Zur konkreten Umsetzung sagt die Ministerin für Bildung: „Wir wollen eine zentrale Hotline schalten. Wer also seinen Abschluss anerkennen lassen möchte, hat eine Nummer, an die er sich wenden kann. Darunter sind alle Informationen vorhanden über die konkrete Stelle der Anerkennung.“ Zurückgreifen möchte man dabei auf bestehende Strukturen für die Anerkennungsverfahren von Unionsbürgern und Spätaussiedler.

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