Esssucht

Fast Food hat dieselbe Wirkung wie Kokain

Die Ergebnisse der Studien über Drogenmissbrauch könnten die Fast-Food-Konzerne mit Kämpfen um die Verbrauchersicherheit konfrontieren

Verarbeitete Nahrungsmittel und zuckerhaltige Getränke sind nicht nur ungesund, sondern können im Gehirn eine Abhängigkeit auslösen. Das ist das Ergebnis einer Studie von verschiedenen Universitäten, die über das Thema Drogenmissbrauch forschen. Den Autoren dieser Studie zufolge können Cupcakes und Cola auf dieselbe Art süchtig machen wie Kokain, Nikotin oder andere Drogen.

„Die Daten sind so überwältigend, dass sie einfach anerkannt werden müssen“, so Nora Volkow, Leiterin des National Institute on Drug Abuse in der BBC. Die Art wie das Gehirn auf Essen oder wie es auf Drogen reagiert, zeige enorme Überlappungen.

Das Problem bei verarbeiteten Lebensmitteln ist, dass sie einen konzentrierten Zuckergehalt, ungesündere Fette und Weißmehl enthalten und Nährstoffarm sind. Die Einnahme großer Mengen dieser Lebensmittel könne, so Fachleute, die Verknüpfungen im Gehirn verändern.

Bei Versuchen mit Ratten bevorzugten diese Fast Food und ihre Gehirne zeigten dieselben Aktivierungsmuster wie nach der vermehrten Einnahme von Kokain, so Paul Kenny in der Zeitschrift Nature Neuroscience.

Die Idee, dass Essen ebenso süchtig machen kann wie Drogen, war für Forscher vor noch einem Jahrzehnt, weit entfernt. Zusätzlich zu den Labor-Ergebnissen zeigten aber Hirn-CTs von fettleibigen Menschen, die ein zwanghaftes Essverhalten haben, einen gestörten Kreislauf im Belohnungszentrum des Gehirns, ähnlich dem von Drogenabhängigen.

Mit detaillierteren und erweiterten Beweisen könnten die Studien zur Esssucht einen Einfluss auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie haben, die in den USA jährlich eine Billion Dollar Umsatz macht. Denn, ist erst einmal bewiesen, dass fettige Lebensmittel, Snacks und Getränke mit viel Zucker, Maiszucker und mit hohem Fruchtzuckergehalt abhängig machen, könnte das für die Lebensmittelkonzerne bedeuten, dass sie die zähesten Kämpfe um die Verbrauchersicherheit erwartet seit der Auseinandersetzung der Anti-Raucher-Bewegung mit der Tabakindustrie.

Kelly Brownell, Direktorin des Yale University`s Rudd Center for Food Policy & Obesity und Vertreterin der Regelungen zur Verhinderung von Fettleibigkeit, macht darauf aufmerksam, dass ein solcher Fall die juristische Landschaft verändern könnte. „Lange Zeit wussten Menschen, dass langjähriges Rauchen zum Tod führen kann, aber erst viel später erfuhren sie über Nikotin und die beabsichtigte Manipulation“.

Die Lebensmittelindustrie und Lobbyisten hingegen entgegnen, bislang sei nichts bewiesen. Die „fun-for-your“ Lebensmittel seien unbedenklich, wenn sie in Maßen eingenommen werden, so die Vorstandsvorsitzende von PepsiCo, Indra Nooya. Außerdem verweisen die Konzerne darauf, immer mehr gesündere Nahrungsoptionen anzubieten.

Nach Informationen der National Library of Medicine database wurden alleine in diesem Jahr 28 wissenschaftliche Studien zum Thema Esssucht publiziert.

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