Geschlechtskrankheiten

HIV: weniger Neuerkrankungen, mehr Infizierte

Höhere Syphilis-Zahlen führen zu mehr HIV-Infektionen

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist gesunken, während die Zahl der Infizierten gestiegen ist. Das teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) anlässlich des bevorstehenden Welt-AIDS-Tags am 1.12.2011 mit. Die ermittelten Zahlen seine genauer als bisherige Erhebungen, so das RKI. Außerdem gibt es Erhebungen zu den einzelnen Bundesländern.

Nach Schätzungen beträgt die Zahl der Neuinfektionen für das Jahr 2011 2.7000, wovon 2.250 Männer und 450 Frauen sind. Damit ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr rückläufig. 2006 hatte es nach Schätzungen mit 3.4000 die meisten Neuinfizierten gegeben. Seitdem sind die Zahlen rückläufig. „Zu den wichtigsten Ursachen für diese positive Entwicklung gehören die intensivierte Prävention und die zunehmend frühere Diagnose und Behandlung HIV-Infizierter, die dann weniger infektiös für ihre Sexualpartner sind“, erklärt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts den rückläufigen Trend. Gleichzeitig unterstreicht er, dass eine HIV-Infektion nach wie vor nicht heilbar ist, „auch wenn sie mit Medikamenten meist gut behandelbar ist“. Außerdem wurde dem RKI eine steigende Zahl von Syphilisfällen bei Männern übermittelt. Da sich Syphilis-Erkrankte leichter mit HIV anstecken und es leichter übertragen, könnte das die Zahl der HIV-Neuinfektionen beeinflussen.

Zurückgegangen sei die Zahl der Neuinfektionen bei Personen, die intravenös Drogen konsumieren. In den Jahren 1986/1987 hatte die Zahl einen initialen Spitzenwert von 13000 Neuinfektionen erreicht. In den darauffolgenden 15 Jahren auf 300 Neuinfektionen pro Jahr abgesunken. Seit zehn Jahren ist dieser Wert etwa gleichbleibend. Auch informiert das RKI: „Bei Personen, die angeben, sich auf heterosexuelle Wege infiziert zu haben und nicht aus Hochprävalenzländern stammen, ist die Zahl der HIV-Neudiagnosen seit Ende der 1990er Jahre bis zum Jahr 2007 kontinuierlich angestiegen, bleibt aber seidem auf gleichem Niveau.“

Die Gesamtzahl der mit HIV/AIDS infizierten Menschen in Deutschland wird auf 73.000 geschätzt. Die Zahl steigt seit den 1990er Jahren an, was dadurch zu erklären ist, dass die Zahl der Neuinfektionen höher ist als die Zahl der Todesfälle. Wie das RKI mitteilt, geht es davon aus, dass bei ca. 14.000 aller HIV-Infizierten die Krankheit noch nicht diagnostiziert worden ist. Die Zahl der Todesfälle wird für das Jahr 2011 auf etwa 500 geschätzt. Die von der Krankheit am stärksten betroffene Gruppe sind nach wie vor Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben. 40.000 HIV-Infizierte gehören zu dieser Gruppe.

Zu unterscheiden sei die Zahl der HIV-Neuinfektionen – welche häufig unbemerkt erfolgen – von der Zahl der HIV-Neudiagnosen, wie sie dem RKI-Institut übermittelt werden. Im Unterschied zu früheren Schätzungen fließe bei der aktualisierten Schätzung auch der Zeitabstand zwischen Infektion und Diagnose mit in die Schätzung ein. Damit wird der tatsächliche Verlauf der Erkrankung besser nachzuvollziehen. Bei alten Schätzungen wurden Infektions- und Diagnosezeitpunkt gleichgesetzt. Ein Grund, weshalb die Schätzungen heute genauer sind, ist, dass sich nun das klinische Stadium und die CD4-Zellzahl schätzen lassen. Vor kurzen veröffentlichte Untersuchungsergebnisse geben Auskunft über die durchschnittliche Zeitdauer zwischen der Infektion und dem Abfall der CD4-Zellzahl. Diese ist von Bedeutung, denn: „bei einer HIV-Infektion verringert sich mit der Verschlechterung des Immunsystems die Anzahl der CD4 tragenden Immunzellen“, so das RKI.

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