Gewaltprävention

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Der diesjährige „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ war auch in diesem Jahr wieder ein Tag der Apelle

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen verweist die Organisation Terre des Femmes auf die Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“, die sie in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erarbeitet hat. Daraus geht hervor, dass 2008 über dreitausend junge Frauen von Zwangsheirat bedroht und betroffen waren. Über 70 Prozent der Betroffenen war jünger als 21 Jahre. Nach Angaben von Terre des Femmes werden jährlich weltweit etwa zehn Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Eine Zwangsheirat ist häufig mit einer Verschleppung ins Ausland verbunden.

Die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Soziales, Kristina Schröder (CDU) verweist in diesem Zusammenhang auf die „Dunkelziffer der unerreichbar Eingeschüchterten“, die so hoch ist, dass sie „von niemandem verlässlich abgeschätzt werden kann“. Außerdem bestehe ein „alarmierender Zusammenhang“ zwischen der Gewalterfahrung innerhalb der eigenen Familie und der Zwangsverheiratung, so Schröder. Ein bundesweites Hilfetelefon, das bis Ende 2012 eingerichtet werden soll, soll da Abhilfe schaffen.

Nach Angaben der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (CDU) stammt in 44 Prozent der von Zwangsheirat bedrohten Frauen die Familie aus der Türkei, gefolgt von Serbien, dem Irak und Afghanistan. „Wir lassen die Mädchen und jungen Frauen, die in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, nicht allein“, so Staatsministerin Böhmer. Außerdem appelliert sie an die anderen Länder: „Zugleich sind die Herkunftsländer gefordert, ebenfalls mit ganzer Kraft gegen die schwere Menschenrechtsverletzung der Zwangsheirat vorzugehen“. Außerdem verweist sie, dass auch Männer und Jungen von Zwangsverheiratung betroffen sind. Allerdings thematisierten die sechs Prozent der von der Studie erfassten Betroffenen den Zwang nicht und sehen sich nicht als Opfer.

Auch ist die weibliche Genitalverstümmelung ein Thema. „In Deutschland leben circa 20.000 Betroffene und über 5.000 Mädchen sind gefährdet, in Deutschland oder im Ausland beschnitten zu werden. Weltweit sind bis zu 150 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen“, so Terre des Femmes.

Die Leiterin von UN Women Michelle Bachelet stellte 2011 einen 16 Punkte Plan vor, um die Gewalt gegen Frauen weltweit zu beenden: „Obwohl die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Verfassungen von 139 Ländern und Gebieten garantiert wird, wird Frauen allzu häufig Gerechtigkeit und Schutz vor Gewalt verwehrt. Dieses Versagen ist nicht auf mangelnde Kenntnisse zurückzuführen, sondern auf mangelnde Investitionsbereitschaft und politischen Willen den Bedürfnissen von Frauen zu entsprechen und ihre Grundrechte zu schützen. Es ist an der Zeit, dass Regierungen Verantwortung übernehmen“, so Bachelet.

Der Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ wird seit 1981 jährlich als Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegen Frauen abgehalten. Thematisiert wird die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen. Ziel ist die allgemeine Stärkung von Frauenrechten. Themen sind u.a. Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Beschneidung von Frauen, häusliche Gewalt, Zwangsheirat, vorgeburtliche Geschlechtsselektion, weibliche Armut, die Tötung von Frauen vor allem durch Männer und dessen staatliche Duldung und Unterstützung, das sogenannte Femizid. Außerdem sollen Programme unterstützt werden, die sich ausdrücklich für eine Gleichstellung von Frauen einsetzen in Bereichen wie Erbrecht, Bildung, Privateigentum, Wahlrecht.

 

„Frauen wird häufig Gerechtigkeit und Schutz vor Gewalt verwehrt.“ (Foto: Flickr/Rudy A Girón)

 

 

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