Arzneimittel-Streit

Pharmakonzern Merck zahlt weitere Milliarde

Wegen falscher Werbeaussagen für das einstige Schmerzmittel Vioxx hat das Unternehmen einem Vergleich zugestimmt

Es ist die bisher größte Vergleichszahlung, die ein US Pharmaunternehmen wegen falscher Werbeaussagen leisten muss. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, dass es das Medikament Vioxx zur Behandlung von rheumatoider Arthritis beworben habe, ohne eine Genehmigung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (US Food and Drug Administration). So bezahlt Merck & Co über 300 Millionen Dollar Strafgebühr und über 600 Millionen Dollar zur Beilegung der Zivilklarge. Eine Einigung im juristischen Sinne kommt jedoch Schuldeingeständnis nicht gleich.

„Wir denken, dass Merck verantwortungsvoll und gutgläubig mit der zivilrechtlichen Vergleichsvereinbarung umgegangen ist was das Sicherheitsprofil von Vioxx angeht“, zitiert die BBC Bruce Kuhlik von dem Unternehmen.

Bereits 2007 hatte Merck einem Vergleich zugestimmt. Damals ging es um Tausende von Klagen früherer Vioxx-Patienten, die von Nebenwirkungen betroffen waren. Das hatte Merck knapp fünf Millionen Dollar gekostet. Noch sind jedoch nicht alle juristischen Schwierigkeiten ausgestanden. So sind Auseinandersetzungen mit sieben amerikanischen Bundesstaaten weiterhin ungeklärt. Sie werfen dem Unternehmen vor, es habe die Zulassungsbehörden über die möglichen Nebenwirkungen von Vioxx in die Irre geführt.

Bereits 2004 musste Merck das Schmerzmittel Vioxx vom Markt nehmen. Grund war der Vorwurf, dass sich durch die Einnahme des Medikaments die Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhte. In einer Studie hatte sich nach 18 Monaten herausgestellt, dass sich die Rate an Herz- Kreislauferkrankungen insbesondere Herzinfarkten, instabiler Angina Pectoris und Schlaganfällen im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebo nahezu verdoppelt hatte. Die Studie musste aus diesem Grund vorzeitig abgebrochen werden.

Bis zu seinem Vermarktungsstopp allerdings war das Medikament ein Kassenschlager. Mit einem jährlichen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar zählte es zu den umsatzstärksten Präparaten von Merck & Co. Aufgrund seiner hohen Magenverträglichkeit war es auf der ganzen Welt sehr beliebt. Auch in Deutschland war Vioxx das umsatzstärkste Produkt der Firma mit etwa 20 Prozent des nationalen Konzernumsatzes.

Vioxx enthält den Arzneistoff Rofecoxib und wurde zur Behandlung von Arthrose, Osteoarthritis, rheumatoider Arthritis, akuten Schmerzen bei Erwachsenen und bei Menstruationsbeschwerden, Dysmenorrhoe, angewendet. Das FDA hatte noch Anfang 2004 die Zulassung des Medikaments auf die Behandlung von Kindern ab zwei Jahren erweitert.

Das Unternehmen mit Sitz in New Jersey ist nicht zu verwechseln mit dem deutschen Unternehmen Merck KGaA. Zwar haben die beiden dieselben historischen Wurzeln, sind aber unterschiedliche Unternehmen.

 

 

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