Analyse

Riestern bis zum Tod

In einem Punkt scheinen sich alle einig zu sein: die gesetzliche Rentenversicherung alleine reicht nicht aus, um den kommenden Generationen von Rentnern einen Lebensstil zu ermöglichen, der sich von ihrem jetzigen nicht stark unterscheidet.

Vielen droht Altersarmut. Die vor zehn Jahren eingeführte und vielerorts laut gepriesene Riester-Rente sollte Abhilfe schaffen. Neben der Kapitalgarantie und einer garantierten Mindestrendite von 2,25 Prozent auf den Sparanteil sowie versprochenen staatlichen Zuschüssen, überzeugten Viele, die Altersvorsorge in die eigene Hand zu nehmen. Folglich schlossen seit dem rund 15 Millionen Menschen Verträge zur freiwilligen privaten Altersversorge ab.

Die jüngsten Ergebnisse der Zeitschrift „Ökotest“ sind jedoch ernüchternd: bei ihrer Prüfung von 150 verschiedenen Verträgen stellten sie eine weit verbreitete Undurchsichtigkeit und Kostenverschleierung fest. Die großzügigen Zulangen des Staates können, so die Prüfer, durch Abschlusskosten und Gebühren des Riester-Vertrags bei der Versicherung hängen bleiben. Außerdem müsste eine Person bis ins hohe Alter „riestern“, bevor sich die Rente für sie lohnt. Das Informationsdefizit ist ein weiteres Manko. Viele wissen nicht, dass die staatlichen Förderzulagen nicht automatisch in den Sparvertrag fließen, sondern vom Versicherungsnehmer zu beantragen sind. Andernfalls ist das Geld verschenkt.

Dennoch räumen Experten ein, dass der Vertrag für eine schlussendliche Beurteilung noch zu jung ist. Außerdem warnen sie davor, den Vertrag zu kündigen. Der Verlust wäre zu groß. Vielmehr, so die Empfehlung, sollen unzufriedene Versicherungsnehmer, den Vertrag beitragsfrei stellen und einen neuen Vertrag abschließen. Der Anbieter muss in einem solchen Fall das eingezahlte Geld und die staatliche Förderung garantieren. In Zeiten globaler finanzieller Unsicherheit ist das keine Nachricht, die zur Beruhigung der Gemüter beiträgt.

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