Virus

Forscher entwickeln Impfstoff gegen Ebola

Dabei wird der Virus in Membranbläschen eingeschlossen. Ist das der Durchbruch im Kampf gegen die tückische Krankheit?

US-amerikanischen Wissenschaftlern an verschiedenen Instituten ist es gelungen, im Kampf gegen die gefährliche Krankheit Ebola einige wichtige Schritte zu machen. Bislang war es für das menschliche Immunsystem schwierig, das Ebola-Virus zu bekämpfen, unter anderem weil sich auf seiner Oberfläche Zuckermoleküle befinden, die vom Körper nicht als fremd erkannt werden.

Ende November 2011 haben dazu Mitarbeiter vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, einen Artikel in der Fachzeitschrift Nature Structural and Molecular Biology veröffentlicht. Hier beschreiben sie, wie sie einen Antikörper entwickelt haben, der den Durchbruch in der Bekämpfung des Ebola-Virus bedeuten könne.

Studienleiterin Erica Ollmann Saphire vermutet, eine Schlüsselstelle für die Neutralisierung von Ebola-Viren gefunden zu haben, wie sie dem Magazin National Geographic mitteilt. Der Antikörper 16F6 verbindet zwei Ebola-spezifische Proteine auf der Oberfläche des Virus und macht sie so funktionsunfähig. Das Virus könne nun nicht mehr in das Innere einer Zelle gelangen und bleibe stattdessen in einem Membranbläschen eingeschlossen, so dass es anschließend von der Zelle zerstört werden kann.

„Die Bindungsstelle des Antikörpers 16F6 ist eine der wenigen Stellen, an denen die viralen Proteine von Ebola angreifbar sind“, erklärt Ollmann Saphire. Sie vermutet noch weitere Angriffspunkte, die aber erst noch zu finden seien.

Einen etwas anderen Weg beschreiten Waranyoo Phoolcharoen und sein Team vom Center of Infectious Disease and Vaccinology der Arizona State University (ASU). Sie haben einen Impfstoff entwickelt, der Antikörper, einen Immunverstärker und ein synthetisches Virus-Glykoprotein, das als Antigen fungiert, kombiniert. Das Protein und der Antikörper bilden einen Immunkomplex, der vom Immunsystem leichter als Fremdkörper erkannt werden kann als das Virus-Protein allein. Ollmann Saphire lobt diesen Ansatz: „Die Kombination von einem Antikörper, einem Antigen und einem Immunverstärker ist ein Novum“.

Da das Immunsystem solche Komplexe als etwas erkenne, was bei einer Infektion passiert, falle die Immunreaktion stärker aus, so Ollmann Saphire. Bei einem Test an Mäusen konnten durch den Wirkstoff 80 Prozent der Versuchstiere vor dem Tod bewahrt werden. Normalerweise tötet das Ebola-Virus 90 Prozent der Infizierten. Die Mäuse wurden mit Ebola infiziert, anschließend wurde ihnen der Wirkstoff verabreicht.

„Zu unserem Entzücken reagierte das Immunsystem der Mäuse in wunderschöner Weise auf den Antikörper-Komplex“, freut sich Charles J. Arntzen von der ASU in der Zeitschrift The Scientist über das Ergebnis des Experiments. Das Glykoprotein für den Wirkstoff wird in Tabakpflanzen produziert, denen es keinen Schaden zufügen kann. Würde man das Protein – wie üblich – in Hefe oder Säugetierzellen produzieren, würden die Zellen sterben, so Arntzen. Außerdem sei die Produktion in Pflanzen preiswert und könne ganz einfach gesteigert werden, um so einen großen Vorrat an dem Stoff zu schaffen. Das wäre beispielsweise bei einem Terroranschlag mit biologischen Waffen vonnöten. Zur Immunisierung der Bevölkerung kann der Wirkstoff jedoch nicht eingesetzt werden. Das Ebola-Virus breitet sich nach einer Infektion derart schnell aus, dass selbst ein geimpfter Organismus nicht schnell genug in der Lage ist, mit einer Immunreaktion aufzuwarten. Doch auf dem Weg zur erfolgreichen Behandlung der tödlichen Krankheit ist den Forschern ein großer Schritt gelungen.

 

 

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