HIV/AIDS

Lockerung des Berufsverbots: Mehr Rechte für Ärzte

HIV-infizierte Ärztein Großbritanien erhalten mehr Rechte. Patientensicherheit hat nach wie vor Vorrang

Die Regierung in Großbritannien will das Tätigkeitsverbot für Ärzte, die mit dem HI-Virus infiziert sind, lockern. Das berichten mehrere englische Tageszeitungen. England hat zusammen mit Irland, Australien, Italien und Malta die härteste Gesetzgebung, was das Thema „Ärzte mit HIV“ anbelangt.

Seit etwa 20 Jahren werden Arbeitnehmer im Gesundheitswesen, deren Tätigkeiten „invasive Prozeduren“ beinhalten, mit einem Berufsverbot belegt. Das betrifft vor allem Chirurgen, Zahnärzte, Gynäkologen, Hebammen und spezielle Aspekte der Krankenpflege. Bis zum 09. März 2012 sollen nun Vorschläge gemacht werden, wie man die strengen Restriktionen lockern kann, um so die Gesetzgebung dem aktuellen Stand der Wissenschaft anzupassen.

„Unser Wissen und Verständnis sowie die Behandlung von HIV haben sich in den letzten 25 Jahren enorm weiterentwickelt. Es ist daher richtig, dass wir nun unsere aktuellen Richtlinien dem anpassen, was uns die Wissenschaft über das Risiko einer Übertragung von HIV vom medizinischen Personal auf den Patienten sagen kann“, erklärt Professor Dame Sally Davies, Chief Medical Officer vom Department of Health. Die Sicherheit des Patienten habe nach wie vor oberste Priorität, so Davies, doch liege die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung bei eins zu fünf Millionen. Momentan seien etwa 110 Beschäftigte im englischen Gesundheitssektor von den Regelungen betroffen. „Wir müssen sicherstellen, dass die Richtlinien und Beschränkungen auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen und eine ausgewogene Balance zwischen Patientensicherheit und den Rechten und Aufgaben der Beschäftigten mit HIV erreicht wird“, fordert Davies weiter. Sowohl Mediziner als auch die Öffentlichkeit sind jetzt dazu aufgerufen, ihre Meinung zu dem Thema kundzutun.

In Deutschland gibt es keine vergleichbare Regelung, die Ärzten den Umgang mit Patienten verbietet. Nach §31 des Infektionsschutzgesetzes kann zwar „die zuständige Behörde […] Kranken, Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern die Ausübung bestimmter beruflicher Tätigkeiten ganz oder teilweise untersagen“, doch gibt es keine eindeutige Gesetzgebung für HIV-infizierte Ärzte.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat jedoch einige Richtlinien herausgegeben, wie sich infiziertes Personal im Zweifelsfalle verhalten sollte. So sollen „Zahnärzte und Beschäftigte, die akut erkrankt sind“ keine Patienten behandeln, heißt es beispielsweise in den Richtlinien für Zahnärzte, der Empfehlung zur „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde“ aus dem Jahre 2005.

Darüber hinaus empfehlen das Bundesgesundheitsministerium und die Bundesärztekammer Betroffenen, sich regelmäßig auf freiwilliger Basis einem HIV-Test zu unterziehen. Ebenso wie England muss auch in Deutschland der Patient nicht über die Infektion des behandelnden Arztes in Kenntnis gesetzt werden. Dies begrüßt Christine Vetter von „zm-online“: „Denn wäre dies der Fall, so käme das praktisch einem Berufsverbot gleich, da Patienten eine solche Information kaum sachlich werten können und in aller Regel die Behandlung ablehnen würden, ganz unabhängig davon, ob ein Risiko besteht und wie dieses zu bewerten ist.“

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