Impfung

WHO warnt vor Masern-Epidemie in Europa

Die Zahl der Erkrankungen steigt dramatisch an. Es gibt sogar Todesfälle. Jetzt sind die Staaten gefragt, ihre Gegenmaßnahmen zu intensivieren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die europäischen Staaten aufgefordert, den Ausbruch der Masern verstärkt zu bekämpfen. Im Jahr 2011 gab es im Zeitraum von Januar bis Oktober in 36 europäischen Ländern über 26.000 Fälle von Masern. Selbst neun Todesfälle sind zu beklagen. 83 Prozent der Fälle vereinigen dabei die westeuropäischen Länder auf sich. Frankreich ist hier mit 14.000 Erkrankungen trauriger Spitzenreiter. Auch von den neun Toten gehen sechs auf das Konto Frankreichs.

Das Land hat inzwischen eine nationale Kampagne gestartet, um auf die notwendige Impfung aufmerksam zu machen. Die Vernachlässigung des Impfschutzes dürfte die Hauptursache für den europäischen Ausbruch der Masern sein. So entfallen etwa 90 Prozent der Erkrankungen auf Jugendliche und Erwachsene, die nicht geimpft waren oder nicht wussten, ob sie geimpft sind oder nicht. Der Chef der französischen Gesundheitsdirektion Diréction Générale de la Santé (DGS), Jean-Yves Grall, warnt in der BBC vor den Folgen für die Volkswirtschaft: „Frankreich kann es sich einfach nicht leisten, Todesfälle, schmerzhafte und teure Krankenhausaufenthalte und Ausfälle am Arbeitsplatz oder in der Schule zu haben, aufgrund einer Krankheit, die durch Impfungen gänzlich vermeidbar ist.“

Bis Ende November 2011 wurden laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) 1585 Fälle von Masern in Deutschland gemeldet. Die Zahlen haben sich somit gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt; 2010 gab es 780 gemeldete Fälle in der Bundesrepublik.

Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin für Europa bei der WHO, sagt, dass der Anstieg der Masernerkrankungen in den europäischen Ländern ein ernstes Problem darstelle, wenn man das Ziel, die Masern bis 2015 in Europa auszurotten, erreichen wolle. Außerdem nimmt man an, dass die europäische Masernepidemie in Verbindung mit Ausbrüchen der Krankheit in anderen Ländern wie Brasilien, Australien und Kanada steht. „Jedes Land in der europäischen Region muss jetzt die Gelegenheit ergreifen, die Impfabdeckung bei anfälligen Bevölkerungsgruppen zu erhöhen, die Überwachung zu verbessern und die Zirkulation des Masern-Virus zu reduzieren, bevor die Hochsaison der Masern erreicht wird“, so Jakab in der BBC.

Neben den typischen roten Flecken auf der Haut macht sich eine Masernerkrankung durch Fieber und einen geschwächten Allgemeinzustand bemerkbar. In schweren Fällen können Komplikationen wie Entzündungen hinzutreten; gefährlich wird es bei Enzephalitis (Hirnentzündung), Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Pneumonie (Lungenentzündung). Besonders gefährlich ist am Masern-Virus seine schnelle und einfache Übertragung durch Tröpfcheninfektion, die über die Atemwege und in seltenen Fällen auch über die Bindehaut der Augen erfolgt.

Das RKI empfiehlt, die sogenannte MMR-Impfung, die gleichzeitig auch vor Mumps und Röteln schützen soll, bei Kindern zwischen dem vollendeten 11. und 14. Lebensmonat vorzunehmen. Im Alter zwischen 15 und 23 Monaten sollte dann die zweite Impfung erfolgen. Nach der zweiten Impfung besteht bei 99 Prozent der Geimpften eine Immunität, die meist ein Leben anhält.

 

 

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