Finanzierung

Trend zur Klinik-Privatisierung hält an

Der finanzielle Zustand öffentlicher Krankenhäuser in Deutschland ist desolat. Müssen Krankenhäuser geschlossen werden?

Riesige Schuldenberge, alte Gebäude und überholte Ausstattung. Gelder zur Modernisierung fehlen. In diesem Zusammenhang sprechen die Kliniken von einem enormen Investitionsstau. Sollten sich die Bedingungen nicht ändern und effiziente Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, so bedeutet das für viele Krankenhäuser das Aus. 2020 müssten dann 10 Prozent von derzeitig 2000 Kliniken geschlossen werden. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) schätzt den derzeitigen bundesweiten Investitionsstau auf 14 Milliarden Euro.

Ein Ausweg aus der Schuldenkrise: Die Privatisierung der Krankenhäuser. Bei der miserablen Lage vieler Krankenhäuser ist diese Entwicklung eine logische Konsequenz, der die Kliniken vor der gefürchteten Schließung bewahrt. „Europaweit gibt es kein Land, in dem mehr und schneller öffentliche Krankenhäuser verkauft werden als in Deutschland“, berichtet Ver.di. Auch wenn die Gewerkschaft den Trend in Richtung Privatisierung kritisiert – für Patienten hat die Entwicklung positive Effekte.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Qualität in einer repräsentativen Studie 2011 ermittelte, halten 37 Prozent der Patienten die ärztliche und pflegerische Versorgung an privaten Häusern für besser. Nur 16 Prozent der Befragten würden öffentliche Krankenhäuser den privaten vorziehen. Damit scheinen selbst Ängste von Seiten der Ärzte, die die Ausübung ihrer Profession sowie ihres hippokratischem Eids gefährdet sehen, unbegründet.

Rainer Greunke, geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft sieht die Zukunft der deutschen Krankenhäuser daher in der Entwicklung hin zur Privatisierung. So stecken derzeit auch viele hessische Krankenhäuser in der finanziellen Klemme und konnten die Aufmerksamkeit privater Investoren auf sich ziehen. Wie viele andere sind die Wiesbadener Dr. Horst-Schmidt-Kliniken in zweistelligen Millionenbeträgen verschuldet. Die Stadt möchte daher 49 Prozent des Krankenhauses an einen Investor verkaufen. Noch schlechter geht es dem Klinikum Offenbach mit seinen 220 Millionen Euro Schulden. Ohne Hilfe, muss es in weniger als einem halben Jahr die Pforten schließen. Auch Sparmaßnahmen wie Stellenabbau, Investitionsstopp, Gehälterkürzungen und Schließungen einzelner Stationen konnten das Defizit nicht ausgleichen.

Rainer Greunke betont, vor allem in den großen kommunalen Krankenhäusern sei die Situation besorgniserregend – es fehlt den Kommunen schlicht an nötigen Geldern. Private Investoren hingegen können einfach einen Kredit aufnehmen und sofort in die Kliniken investieren. Trotz hoher Zinslast schaffen es die meisten schon nach wenigen Jahren, schwarze Zahlen zu schreiben.

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