Wachstum

Der Krankenkassenmarkt wird wieder einmal übersichtlicher

Fusion von zwei Ortskrankenkassen macht AOK zum größten Versicherer im Südwesten

Die AOK Rheinland-Pfalz und die AOK Saarland haben beschlossen, sich gemeinsam ab dem 01. März 2012 mit 880.000 Mitgliedern als größte Krankenkasse im Südwesten Deutschlands auf dem Markt behaupten. Die Fusion der beiden war schon länger erwartet worden, nachdem im September 2011 eine Dreierfusion zwischen den beiden AOKn und der IKK Südwest gescheitert war.

Walter Bockemühl, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Pfalz, und Karlheinz Delarber, teilten übereinstimmend mit, dass sie Fusionsbeschlüsse gefasst haben, die auf den bereits von den beiden zuständigen Ministerien der Länder genehmigten Beschlüssen beruhen. Den Vorstand der zukünftigen AOK Rheinland-Pfalz/Saarland stellen die bisherigen rheinland-pfälzischen Vorstandsmitglieder Walter Bockemühl und Jupp Weismüller. Das Saarland erhält innerhalb der neuen Kasse einen Sonderstatus mit eigener Landesdirektion, deren Vorsitz Karlheinz Delarber übernimmt.

Ursprünglich ist geplant gewesen, dass sich die beiden Ortskrankenkassen mit der IKK Südwest zu einer 1,4 Millionen Mitglieder starken Kasse zusammenschließen.

Die IKK ließ die Fusion jedoch platzen, da sie nicht mit dem vorgeschlagenen Logo einverstanden war. In einer Pressemitteilung ließ sie wissen, dass in der „Gestaltung des zukünftigen Marktauftritts […] die Interessen ihrer Versicherten, Arbeitgeber und Mitarbeiter nicht angemessen berücksichtigt“ sehe.

Bockemühl sagte derzeit, dass von Anfang an klar gewesen sei, dass die geplante „Gesundheitskasse Südwest“ rechtlich gesehen eine AOK werden sollte. Das Scheitern der Fusion sei für alle Beteiligten „außerordentlich ärgerlich und auch blamabel“.

Die Gründe für den Ausstieg der IKK dürften also an anderer Stelle liegen. Sowohl die IKK als auch die beiden AOKn betonen in Pressemitteilungen, dass sie wirtschaftlich außerordentlich gut aufgestellt seien. Ein Unterschied findet man allerdings auf den Internetseiten der Kassen: Während die IKK Südwest ihren Mitgliedern garantiert, bis 2014 keine Zusatzbeiträge erheben zu wollen, kann die AOK Rheinland-Pfalz dieses Versprechen nur bis 2013 geben.

Auf dem Markt kommt es zu einem guten Teil auf Größe an. Zwischen Oktober 2008 und August 2011 sind 55 neue Fusionskassen entstanden; 27 allein im Jahr 2009, zu dessen Beginn der Gesundheitsfond in Kraft trat. Am Beispiel der AOK Brandenburg wird deutlich, welchen Weg zu kleine Kassen gehen: zunächst fusionierte sie zu Beginn 2010 mit der AOK Berlin, nur um ein Jahr später gemeinsam mit der AOK Mecklenburg Vorpommern in der AOK Nordost aufzugehen. Derzeit gibt es in Deutschland 108 Krankenkassen, Mitte der 1990er Jahre waren es noch über 1.000.

Jochen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, freut sich über die jüngsten Entwicklungen im Südwesten: Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland habe „eine gute Größe und viel Potenzial, um erfolgreich Verträge schließen und Synergieeffekte nutzen zu können“. So könne die Kasse auch in wirtschaftlich schwieriger werdenden Zeiten gute und sichere Leistungen garantieren.

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