KV RLP: AOK Rheinland Pfalz behindert positive Entwicklung der Impfquote im Land

Heinz: „Konfrontativer Umgang mit Ärzten ist nicht dazu geeignet, dem drohenden Ärztemangel im Land…

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) ist nicht länger bereit, die Politik der AOK Rheinland-Pfalz im Bereich der Impfungen hinzunehmen. "Ohne konkrete Anhaltspunkte unterstellt die AOK Rheinland-Pfalz Hunderten von Ärztinnen und Ärzten bei der Erbringung von Impfleistungen Unregelmäßigkeiten und Unwirtschaftlichkeit", erklärt Dr. Peter Heinz, stellvertretender Vorsitzender der KV RLP, den Unmut.

"Diese Vorwürfe weisen wir scharf zurück. Das Vorgehen bedient die Null-Toleranz-Schiene. Dieser konfrontative Umgang mit Ärzten ist nicht hilfreich im Bestreben, die Impfquote in Rheinland-Pfalz zu verbessern. Auch ist er nicht dazu geeignet, dem drohenden Ärztemangel im Land zu begegnen. Die von der AOK Rheinland-Pfalz angestrebten Regresse bei Impfstoffen gegen Ärzte sind sicher kein Anreiz, junge Mediziner auf das rheinland-pfälzische Land zu locken", so Heinz weiter.

Eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zur Inanspruchnahme der Grippeschutzimpfung hat gezeigt, dass Rheinland-Pfalz bereits im Jahr 2008 nach Baden-Württemberg die schlechteste Impfrate im Bundesgebiet aufweist und damit weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt (Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Einen Link finden Sie in der rechten Spalte dieser Seite). 

"Alleine die Querelen in den letzten Jahren um die Frage, welche Krankenkassen bereit sind, die Grippeschutzimpfung unabhängig von der Indikation für alle Versicherten zu zahlen, haben bei vielen Praxen für Unverständnis gesorgt. Wenn nun noch die Ärzte mit ihrem Honorar für Teile der Impfstoffe haften sollen, weil Regresse drohen, wird die Motivation der Ärzte, die Grippeschutzimpfung aktiv anzubieten, nicht steigen und Rheinland-Pfalz wird die 'rote Laterne' bei der Impfrate im Vergleich zum Bundesgebiet auch weiter behalten." 

Die Politik der Krankenkassen in diesem Bereich zeigt bereits Wirkung: Die Abrechnungsfrequenzen der Ärzte in Rheinland-Pfalz belegen, dass die Inanspruchnahme der Grippeschutzimpfung in der Impfsaison 2010 / 2011 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen ist, und bestätigen damit diesen Trend.

Die AOK Rheinland-Pfalz versucht derzeit, Regresse bei den Impfstoffen, die die Ärzte für die Krankenkassen in den Praxen für die Durchführung von Impfungen vorhalten, durchzusetzen. Die Ärzte sollen aufgrund von Prüfanträgen hohe Summen an die Krankenkassen zahlen, wenn Impfstoffe bestellt, aber nicht vollständig verbraucht wurden – zum Beispiel weil die Impfung von den Patienten nicht nachgefragt wurde. Das Versicherungsrisiko ginge dann ausschließlich zu Lasten der impfenden Vertragsärzte. 

Hintergrund
Die Krankenkassen waren bei der Grippeschutzimpfung für die Impfsaison 2011 / 2012 zu keinem einheitlichen Vorgehen bereit. Die Vertragsärzte müssen sich daher nun strikt an die Vorgaben der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses halten. Das heißt gesetzlich Krankenversicherte erhalten die saisonale Influenza-Impfung auf Kosten der Krankenkasse, wenn sie zu dem Personenkreis gehören, für den in der Schutzimpfungs-Richtlinie eine Impfung empfohlen wird. Dazu zählen zum Beispiel chronisch Kranke und ältere Menschen ab 60 Jahren. Alle anderen Patienten können sich von ihrem Arzt beraten lassen, ob auch für sie eine Impfung sinnvoll ist. Allerdings müssen Impfungen außerhalb der Schutzimpfungs-Richtlinie von diesen dann selbst bezahlt werden. Sicherlich wird es einzelne Krankenkassen geben, die ihren Versicherten diese Kosten wieder erstatten.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Comments are closed.