Versorgungsgesetz

Kann das Versorgungsgesetz die Lücken pensionierter Ärzte stopfen?

Zehntausende Ärzte gehen binnen der nächsten fünf Jahre in Rente. Dem greifbaren Mangel soll nun das neue Versorgungsgesetz entgegenwirken. Doch die Umsetzung könnte durch einen jahrelangen Kampf zwischen den Ländern auf der Stelle treten

Zum Jahreswechsel ist das neue Versorgungsstrukturgesetz in Kraft getreten. Das vom Deutschen Bundestag am 1. Dezember 2011 verabschiedete Gesetz soll zukünftig demographiebedingten Versorgungsengpässen rechtzeitig entgegensteuern und die medizinische Versorgung gezielt verbessern. Bezüglich der künftigen Verteilung der Mediziner in Deutschland erwarten schon jetzt Ärzte und Krankenkassen, dass das Versorgungsgesetz zu Konflikten führen wird.

Prognosen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge werden innerhalb der nächsten fünf Jahre rund 40.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen, berichtet die Ärztezeitung. Zudem zieht es Nachwuchsmediziner in der Regel eher in die Ballungszentren. Daraus würde in bestimmten Gegenden ein Mangel an spezialisierten Fachärzten entstehen, der unter anderem für viele Patienten mit längeren Anfahrtswegen verbunden sei.

Mit mehr Handlungsspielraum und Gestaltungsoptionen der einzelnen Länder soll nun gewährleistet werden, dass sich die Verteilung der Arztsitze stärker an den Bedürfnissen vor Ort orientiert. Kassen fürchten in diesem Freiraum jedoch ein zukünftiges Ringen um Fachkräfte. Bezüglich der Hausarztversorgung strebt die KBV eine patientenfreundlichere Planung an. „Ein Hausarzt soll künftig auf 1500 Einwohner kommen“, erklärt der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler. Derzeit sind es noch rund 1700 Einwohner pro Hausarzt.

Insgesamt verfolgt die KBV das Ziel, künftig kleinere Planungsregionen für Hausärzte zu schaffen und dafür größere für wohnortnahe Fachärzte sowie Großregionen für spezialisierte Fachärzte. Wie das im Einzelnen realisiert werden soll, muss nun noch festgelegt werden. Dafür erarbeiten Ärzte und Kassen bis Ende 2012 ein Konzept für die Bedarfsplanung. Vizechef des GKV-Spitzenverbandes Johann-Magnus von Stackelberg erklärt, dass bei der Planung vor allem eines beachtet werden muss: „Die Räume dürfen nicht zu klein sein, sonst ergibt sich rein rechnerisch immer ein enormer Ärztebedarf“.

Köhler erwartet zu Recht „harte Verhandlungen“. Denn seit dem 1. Januar können Länder bei der Ärzteplanung von den Bundesvorgaben begründet abweichen. Die Gefahr bestehe nun vor allem darin, dass kleinere Länder einen höheren Bedarf an zusätzlichen Arztsitzen anmelden könnten, um sich von anderen Ländern abzuheben.

Ein weiterer Streitpunkt des Versorgungsgesetzes ist die sogenannte Überversorgung einiger Regionen. Stackelberg kritisiert, dass es bezüglich des Abbaus von Überversorgung an Richtlinien fehle. So sei nicht geklärt, ob Regionen mit vielen Ärzten durch den Aufkauf der Praxissitze von der Kassenärztlichen Vereinigung verschwinden sollen. Diese Entscheidung müssen nun Ärzte und Kassen gemeinsam treffen. Köhler warnt jedoch, dass mit dem Aufkaufen vieler Praxen immer längere Wartezeiten für Arzttermine entstehen würden. Ein Punkt, der mittels des Versorgungsgesetzes eigentlich verbessert werden sollte.

In Mangelregionen wurden für junge Ärzte Anreize in Form von Aufschlägen der Vergütung geschaffen. Doch was überversorgte Regionen anbetrifft, so kritisiert Barmer-GEK-Vorstandschef Dr. Christoph Straub, wurde auf Abschläge verzichtet. Die Koalition traue sich nicht gegen Überversorgung vorzugehen.

In der Opposition stößt das Versorgungsgesetz auf harte Kritik. So solle das Gesetz eher „Ärzte-Versorgungsgesetz“ heißen, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Von den Maßnahmen, die wirklich die Versorgung der Menschen verbesserten, sei Abstand genommen worden.

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