Langzeitstudie

Prostatakrebs: Regelmäßige Untersuchungen senken Sterberate nicht

Jahrelang wurde von Ärzten propagiert, Männer sollten unbedingt die angebotenen Prostata-Untersuchungen nutzen. Nun stellt sich heraus: All das bringt nichts. Die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu sterben ist laut einer Langzeitstudie gleich hoch wie ohne regelmäßige Vorsorge.

Eine im „Journal of National Cancer Institute“ im Verlag der Universität Oxford veröffentlichte Studie zeigt, dass es keinen Unterschied in der Sterblichkeit zwischen Männern gibt, die sich regelmäßig jedes Jahr auf Prostatakrebs untersuchen lassen und solchen, welche nur die üblichen Untersuchungen in größeren unregelmäßigen Abständen wahrnehmen.

Im Rahmen einer 13-jährigen Langzeitstudie mit zu Beginn der Studie 76.600 teilnehmenden Männern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren ließ sich eine Gruppe in einer jährlich stattfindenden Untersuchung auf mögliche Anzeichen für Prostata-, Lungen-, Darm-und Eierstockkrebs (PLCO/ Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening) durchchecken (Interventionsgruppe). Eine andere Gruppe ließ sich nur sporadisch überprüfen (Kontrollgruppe).

Wie Wissenschaftler um den Urologen Professor Gerald L. Andriole aus St. Louis und den Onkologen Dr. Philip C. Prokop vom US-Nationalen Krebsinstitut in Bethesda anhand der Ergebnisse dieser Studie herausfanden, unterscheidet sich die Sterberate der Probanden der Interventionsgruppe, also der Gruppe mit jährlicher Überprüfung des prostataspezifischen Antigens (PSA), nur unwesentlich von denjenigen der Kontrollgruppe, die nur vereinzelt hatten PSA-Screenings vornehmen lassen. Ein statistisch signifikanter Unterschied habe sich nicht erkennen lassen. So starben in der Gruppe der jährlich kontrollierten Studienteilnehmer 153 Männer, in der Vergleichsgruppe 145 Männer.

Für generell sinkende Sterblichkeitsraten bei Prostatakrebs sind laut Vermutung der Forscher „Verbesserungen in der Behandlung von Prostatakrebs wahrscheinlich mindestens zum Teil verantwortlich“. Sie erklären weiter: „Auch wenn das Leben nur durch die Therapie verlängert werden kann, erhöhen sich dadurch die Chancen für konkurrierende Todesursachen, insbesondere bei älteren Männern.“

455 (10,7%) der 4.250 an Prostatakrebs erkrankten Patienten in der regelmäßigen Screening-Gruppe seien an anderen Ursachen gestorben, während 377 (9,9%) Patienten der 3.815 Männer mit Prostatakrebs in der Kontrollgruppe ebenfalls anderen Todesursachen erlagen.

Dass ein höheren Prozentsatz der diagnostizierten Todesfälle durch andere Ursachen als durch Prostatakrebs in der Screening-Gruppe bedingt ist, halten die Wissenschaftler für einen Hinweis auf eine Überdiagnose, die mit der PSA-Erkennung verbunden ist. Das bedeutet, sie gehen davon aus, dass die Patienten übermäßig häufig untersucht werden. Frei nach der Prämisse: Wenn man nur lange genug nach etwas sucht, dann findet man natürlich auch etwas.

Bereits 2009 hatten Wissenschaftler ähnliche Ergebnisse der Studie nach einem zehnjährigen Beobachtungszeitraum vorgestellt, waren damals aber dafür kritisiert worden, dass der Nachfolgezeitraum von einer Dekade zu kurz sei, um gesicherte Ergebnisse zu zeitigen. Doch die Resultate nach 13 Jahren geben ihnen nun Recht. In zwei Jahren, also nach 15-jährigem Beobachtungszeitraum sollen die Erkenntnisse über die Sterblichkeit bezüglich der Prostata-Komponente der PLCO-Untersuchung erneut aktualisiert werden.

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