Studie

Armut macht unruhig

Jetzt hat eine amerikanische Studie belegt, was viele Kinderärzte in Deutschland schon seit langem bestätigen: Es gibt eine Verbindung zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) von Kindern und der sozialen Schicht ihrer Familien.

Kinder aus armen Familien unterliegen einem höheren Risiko, eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe vom Queens College und der Mount Sinai School of Medicine in den USA.

Ein Faktor, der mit dem sozioökonomischen Status zusammenhängen kann und ebenfalls das Risiko für ADHS erhöht, ist ein Schwangerschaftsdiabetes der Mütter.

Insgesamt wurde eine Gruppe von 212 Kindern im Alter von vier Jahren untersucht. Gemessen wurden unter anderem die kognitiven Funktionen, das Verhalten und Symptome von ADHS. Im Alter von sechs Jahren wurden die Untersuchungen wiederholt und durch Aussagen von Eltern und Lehrern über emotionale und Verhaltensprobleme der Kinder ergänzt. Symptome für die Störung sind Unaufmerksamkeit, ein niedriger IQ-Wert und ein geringer Wortschatz.

So besteht ein zweimal höheres Risiko für ADHS bei Kindern aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status als für solche aus Familien mit einem höheren Status. Ebenso ist das Risiko doppelt so hoch, wenn die Mutter unter Schwangerschaftsdiabetes litt. Kommen beide Faktoren zusammen, gehen die Forscher von einem 14-mal höheren Risiko aus. Diese Zahl ist jedoch nicht besonders aussagekräftig, da nur bei neun von den untersuchten Kindern diese Kombination vorkam.

Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass Mütter mit einem niedrigen sozioökonomischen Status einen Schwangerschaftsdiabetes bekommen, ist nicht eben klein. Nehmen Mütter während der Schwangerschaft viele Kohlenhydrate und ungesättigte Fettsäuren etwa in Form von Fertigprodukten zu sich, reagiert der Körper des Kindes mit einer erhöhten Insulinproduktion. Das kann sich – ebenso wie später der soziale Faktor – ungünstig auf die Entwicklung des Gehirns auswirken.

Unabhängig davon hat jetzt die Agrarexpertin Christel Happach-Kasan (FDP) gefordert, dass die Deutschen mehr Geld für hochwertige Lebensmittel ausgeben sollten, wie die „Ärzte Zeitung“ berichtet. Angesichts der guten Beschäftigungslage mit im Schnitt 41 Millionen Erwerbstätigen im im Jahr 2011, „wäre [jetzt] die richtige Zeit, beim Einkauf von Lebensmitteln genau so qualitätsbewusst zu sein wie beim Autokauf“, so Happach-Kasan.

Da aber viele der Beschäftigten trotz Job in relativer Armut leben und ihre Ernährungsweise typisch für ihren sozioökonomischen Status bleibt, wird sich an der Zahl der Schwangerschaftsdiabetikerinnen und ihrer hyperaktiven Nachkommen vermutlich nicht viel ändern.

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