Arzneimittelgesetzesänderung

Medikamente in der Tiermasthaltung sollen reduziert werden

Bei einer Massentierhaltung verabreichen Tiermäster ihren Tieren zur Vorsorge von Krankheiten Medikamente. Immer mehr Menschen werden deshalb durch den Verzehr von Fleisch resistent gegen Antibiotika. Eine Änderung des Arzneimittelgesetzes soll voraussichtlich schon diesen Herbst in Kraft treten

Die jüngsten Studienergebnisse des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) belegen, dass Hähnchenfleisch in den deutschen Supermärkten größtenteils mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Diese Studie löste eine ernsthafte Debatte aus. Politiker, Verbraucher- und Tierschützer aus ganz Deutschland meldeten sich zu Wort.

Immer mehr Menschen werden durch den Fleischverzehr resistent gegen Antibiotika. Besonders gefährlich ist das bei schweren Krankheiten, weil die die Antibiotika bei den Patienten nicht mehr anschlagen. Es darf nicht zur Regel werden, Tieren Antibiotika zu geben, sonder sollte die „absolute Ausnahme“ bleiben, so der NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel: „wir brauchen letztlich eine antibiotikafreie Tierhaltung“. Die Freilandhaltung fördert z.B. eine antibiotikafreie Tierhaltung.

Im November 2011 teilte die Presse des Verbraucherministeriums Nordrhein-Westfalen mit, dass ihrer aktuellen Studie nach etwa 96 Prozent der Masthähnchen mit Antibiotika behandelt gewesen seien. Dies deute auf eine starke Massentierhaltung hin, bei denen gesunden Tieren schon sehr früh, zur Vorbeugung von Krankheiten, Medikamente verabreicht werden. Denn eine Massentierhaltung begünstigt Krankheiten, da die Tiere in engem Raum zusammenleben. Demzufolge besteht eine hohe Ansteckungsgefahr, wodurch eine gesamte Zucht zerstört kann. Die gesetzliche Regelung erlaubt den Einsatz von Antibiotika in der Mast-Tierhaltung jedoch erst, wenn eine Krankheit eingetreten ist, nicht aber zur Vorbeugung von Krankheiten oder um das Wachstum der Tiere zu beschleunigen.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) möchte sich jetzt für eine schärfere Regelung des Arzneimittelgesetzes einsetzen. Medikamente sollen in der Tiermasthaltung sachgerechter und in deutlich geringerer Menge angewendet werden. Sie fordert deshalb mehr Transparenz: Behörden der Länder sollen Zugriff auf die Daten der Tierärzte erhalten, in denen nachvollziehbar ist, welchem Tiermäster welche Mengen von Antibiotika verordnet und verkauft wurden. Mitte dieses Jahres sollen hierzu erste Ergebnisse vorliegen. Bund und Länder schließen sich Aigner an: Der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung muss deutlich auf ein Mindestmaß reduziert werden. Sie planen deswegen eine engere Zusammenarbeit. Voraussichtlich kann die Gesetzesänderung schon im Herbst in Kraft treten.

Stefan Johnigk, Tierschützer und Geschäftsführer des Vereins Pro Vieh, ist für die Einführung einer Tierschutz-Umlage, welche mit der Ökostrom-Umlage vergleichbar ist. Mit den Einnahmen der Tierschutz-Umlage sollen die Landwirte entlohnt werden, die besonders artgerecht produzieren und dadurch höhere Kosten haben, so Johnigk in der Zeitung Die Welt.

Kommentare

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  1. Ich denke wenn man beim „Landwirt seines Vertrauens“ einkauft kann man bedenkenlos Fleisch essen. Die meisten Direktvermarkter produzieren sehr nachhaltig und Tiergerecht auch wenn es nicht immer Bio ist. Es gibt auch schon einige Regional-Initiativen die diese Produkte über das Internet vermarkten. (Dorfladen.de, Wiesinviertelschmeckt.at,.​.) So ist der Einkauf beim Bauern kein Problem mehr auch wenn man in der Stadt wohnt.

  2. Größer – schneller – billiger:
    Unter diesem Motto der Agrarindustrie leiden heute rund 150 Mill. Nutztiere in deutschen Ställen. Ob Schwein, Rind, oder Legehenne, ob Pute, Kaninchen oder Ente – sie werden verstümmelt, in enge Ställe oder Käfige gepfercht und mit Medikamenten vollgepumpt. Auf der Strecke bleiben nicht nur das Wohl der Tiere und ihre artgemäße Haltung, sondern auch Qualität, Geschmack und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte.
    Mediziner warnen seit Jahren die Verbraucher vor Medikamentenanreicherungen in Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Es gilt als gesichert, daß Antibiotikaanreicherungen im Fleisch, speziell im Schweinefleisch, die Hauptursache für die hochbrisante Antibiotikaresistenz beim Menschen sind. Immer mehr Menschen sprechen selbst auf hohe Antibiotikadosen nicht mehr an.