Psychische Krankheiten

Schneller in die Therapie: Psychisch Kranke sollen effizienter behandelt werden

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ein Gutachten, das die Situation der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland darstellen soll, in Auftrag gegeben. Ein Zwischenbericht liegt jetzt vor.

In ihrem Zwischenbericht zum Gutachten „Zur ambulanten psychosomatischen/psychotherapeutischen Versorgung in der kassenärztlichen Versorgung in Deutschland – Formen der Versorgung und ihre Effizienz“ haben Ärzte der Universitätskliniken Heidelberg sowie Gießen und Marburg Zahlen vorgelegt, die ein düsteres Bild von der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands zeichnen, sofern sich in der psychotherapeutischen Versorgung nicht bald etwas ändert.

So leiden im Verlauf eines Jahres ca. 31 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren an mindestens einer psychischen Erkrankung. In absoluten Zahlen sind demnach etwa 16,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter betroffen. Neben der verminderten Lebensqualität der Betroffenen sind die Folgen für die deutsche Volkswirtschaft verheerend: „Psychische und psychosomatische Störungen sind in Deutschland zunehmend Ursache für eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit, krankheitsbedingte Fehlzeiten und vorzeitigen Berufsausstieg“, so die Autoren des Berichts, Prof. Dr. med. Johannes Kruse und Prof. Dr. med. Wolfgang Herzog.

Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2011 fehlt ein Arbeitnehmer mit einer psychischen Störung durchschnittlich 28,9 Tage im Jahr (zum Vergleich: eine Atemwegserkrankung bedeutet im Durchschnitt 6,3 Tage Ausfall im Jahr). Das sind natürlich unhaltbare Zustände. Dabei ist die Versorgung nicht von Grund auf mangelhaft: Betroffene fänden ein „ein umfangreiches und differenziertes Versorgungsangebot“ vor, so der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Köhler.

Köhler sieht die Versorgung auf drei Säulen ruhen: Haus- und Fachärzte, die eine psychosomatische Grundversorgung leisten können, eine rein psychotherapeutische oder letztlich eine psychiatrische Versorgung. Eine prominente Stellung nimmt dabei der Hausarzt ein; knapp 70 Prozent der Patienten wenden sich zunächst an ihn, wenn körperliche Beschwerden ohne einen organischen Befund vorliegen. Für Köhler ist vor allem eine effiziente Vernetzung der Versorger notwendig, „Ziel und Aufgabe“ sei es, „die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Fachrichtungen zu verbessern“.

Darüber hinaus könne die „subjektiv wahrgenommene Behandlungsbedürftigkeit und Akzeptanz von Behandlungsmaßnahmen“ gefördert werden. „Viele haben immer noch Angst vor Stigmatisierung und scheuen sich deshalb, […] Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Köhler. Ein „niederschwelliges Angebot“ an psychotherapeutischer Versorgung müsse deshalb das Ziel sein.

Nach den Ursachen für die steigende Zahl psychischer Erkrankungen zu fragen, liegt selbstverständlich nicht in der Natur der KBV und der von ihr in Auftrag gegebenen Studie, Köhler erkennt vielmehr, dass durch „Zunahme entsprechender Krankheitsbilder“ der Versorgungsbedarf steige. So sei es im „Interesse […] der Gesellschaft insgesamt, der wachsenden Zahl von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen schnelle und passgenaue Hilfe zukommen zu lassen“.

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