HIV-Gentherapie

Ist Impfen gegen Aids mit einer „vektorisierten Immunprophylaxe“ bald möglich?

Noch können HIV-infizierte Menschen an Aids erkranken. Eine neue Gentherapie, die bei Mäusen eine HIV-Infektion verhindert, ist auch für den Menschen denkbar

Ende November gab das internationale Wissenschaftsjournal Nature bekannt, dass der amerikanische Virologe David Baltimore zusammen mit Forschern des California Institute of Technology in Pasadena mit einer neuen Gentherapie Mäuse vor HIV-Infektionen schützen kann.

Nach Meinung von Baltimore könne schon jetzt mit klinischen Studien begonnen werden, um die neue Therapie auf den Menschen zu übertragen. „Wir zeigten, dass eine Produktion von Antikörpern für Säugetiere möglich ist, und wir haben ein solches Verfahren zuletzt lange genug erprobt“, erläutert Baltimore. Die Forscher des Children’s Hospital in Philadelphia hoffen, dass schon bis zum Ende nächsten Jahres mit einer ersten Test-Runde begonnen werden kann. Kritiker wie Arzneimittelhersteller sind skeptisch. Aus Sicherheitsgründen ziehen sie weitere Tests an Tieren vor.

Bei Baltimores Therapie handelt es sich um eine sogenannte vectored immunoprophylaxis (VIP), auf Deutsch übersetzt: „vektorisierte Immunprophylaxe“. Hier produzierten die Muskelzellen Antikörper, „welche anschließend in den Blutstrom gelangen“, so das Journal Nature. Dies wird dadurch erreicht, indem die Viren mit einem Gen ausgestattet werden, das schützende Antikörper erzeugt, die von den Muskelzellen aufgenommen und verarbeitet werden. An Mäusen mit einem „humanisierten Immunsystem“ soll die VIP nachhaltig sehr wirksam sein. Es heißt, die Therapie könnte langfristig gesehen die Wirkung einer Impfung haben. „Wir haben die Antikörper, die uns zur Verfügung stehen. Wenn diese beim Menschen funktionieren und eine zulässige Hypothese gegeben ist, haben wir etwas, was wir nun nutzen können“, wie Immunologe Dennis Burton im Journal Nature mitteilt.

Bis heute ist AIDS nicht heilbar. Ein Ausbruch der Krankheit kann bei HIV-Infizierten jedoch verhindert werden. Dies geschieht mithilfe einer Kombinationstherapie, der sogenannten antiretroviral therapy (ART), auf Deutsch übersetzt: „antiretrovirale Therapie“. Hier werden mehrere Medikamente individuell miteinander kombiniert, die eine Ausbreitung von HIV verhindern. „Ein Medikament alleine würde nicht ausreichen“, so die Deutsche AIDS-Hilfe e.V.

Seit den 90er Jahren haben HIV-Infizierte die Möglichkeit, sich mit Medikamenten behandeln zu lassen, die ihnen eine höhere Lebenserwartung sowie mehr Lebensqualität bieten. Inzwischen können HIV-Infizierte sogar genauso alt werden wie Nicht-Infizierte. An einem Mittel, das HIV-Infektionen vollständig verhindern soll, wird seit einigen Jahren geforscht. Vor zwei Jahren therapierten amerikanische Forscher des Children’s Hospital of Philadelphia auf ähnliche Weise Affen gegen das Simianen Immunodeficiency Virus (SIV).

Simianen Immunodeficiency Virus (SIV)

SIV ist ein ähnlicher Immunschwäche-Virus wie HIV. Bisher infizieren sich ausschließlich Affen mit SIV, bei denen in den meisten Fällen keine Aids-ähnliche Krankheit zum Ausbruch kommt. Nur wenige SIV-infizierte Affen erkranken und sterben. Wissenschaftler nehmen an, dass der Erreger SIV bereits seit vielen tausend Jahren existiert, sodass Affen inzwischen immun gegen den Ausbruch einer Krankheit sind. Dies könnte auch beim Menschen funktionieren, vermuten die Forscher. Ihrer Meinung nach gilt SIV als Vorreiter für HIV.

Human Immunodeficiency Virus (HIV)

HIV steht für Human Immunodeficiency Virus. HIV-Infizierte tragen damit das menschliche Abwehrschwäche-Virus (Immunschwäche-Virus) in sich. Breitet sich HIV im Körper aus, kann die Krankheit Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS) ausbrechen – ein erworbenes Immun-Defekt-Syndrom, welches zum Tod führt.

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