Schmerzforschung

Hohe Dosis von „Opioiden“ kann Schmerzen dauerhaft auslöschen

Bisher bestand die Annahme, dass mit dem morphiumähnlichen Schmerzmittel Opioide die Schmerzen nur gelindert werden können. Ein Forscher-Team fand jetzt heraus, dass mit einer einzelnen sehr hohen Dosis die Schmerzen dauerhaft verschwinden können

Paracetamol gehört zu den opiodiden Schmerzmitteln, mit denen leichte bis mäßig starke Schmerzen behandelt werden. (Foto:Flickr/CT Arzneimittel)

Paracetamol gehört zu den opiodiden Schmerzmitteln, mit denen leichte bis mäßig starke Schmerzen behandelt werden. (Foto:Flickr/CT Arzneimittel)

Forscher der Medizinischen Universität Wien und der Universitätsmedizin Mannheim fanden an Versuchen mit Ratten heraus, dass mit dem morphiumähnlichen Schmerzmittel Opioide chronische Schmerzen im Rückenmark dauerhaft verschwinden können. Bisher wurde angenommen, dass Opioide nur in der Lage sei, die Schmerzempfindung im Gehirn zu lindern.

Zunächst wurden die Tiere in eine Tiefe Narkose gelegt. Während der Narkose erhielten sie Stromschläge, wodurch ihre Schmerz-Nervenfasern angeregt wurden und der Schmerz im Rückenmark eine Gedächtnisspur hinterließ, ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Danach verabreichten die Wissenschaftler den Tieren eine Stunde lang eine hohe Dosis Opioide und konnten damit die Gedächtnisspur im Rückenmark wieder rückgängig machen. Die Atmung der Tiere soll beinahe ausgesetzt gewesen sein, doch sie überlebten. Der Schmerz konnte dauerhaft ausgeschaltet werden.

Studien an Menschen sind in Planung

Die Untersuchungen sollen jetzt an Menschen stattfinden: „Dabei erhalten die Patienten eine hoch dosierte Behandlung mit Opioiden über einen Zeitraum von einer Stunde, gegebenenfalls wird man das im Abstand einer weiteren Stunde wiederholen müssen. Die Dosis ist so hoch, dass es schon zu einer vorübergehenden Verlangsamung der Atmung, aber noch zu keinen echten Problemen kommt. Diese Behandlung kann daher jedoch nur ein erfahrener Spezialist, ein Anästhesist, durchführen“, so Jürgen Sandkühler in der Fachzeitschrift „Science“.

Wie bleibende Schmerzen ein Schmerzgedächtnis bilden

Bei Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, bildet sich ebenfalls ein Schmerzgedächtnis. Bevor die Forscher die neue Entdeckung mit Opioide machten, wurde das Schmerzmittel Opioide an Patienten, die unter chronischen Schmerzen litten, nur in mittlerer Dosis verabreicht. Damit konnten die Schmerzen gelindert, jedoch nicht gelöscht werden. Wurde das Schmerzmittel abgesetzt, traten die Schmerzen wieder auf. Im Sommer 2009 fanden die Forscher Ruth Drdla-Schutting und Jürgen Sandkühler heraus, dass ein besonders schnelles Absetzen von Opioide die Schmerzen sogar verstärkt. In ihrer aktuellen Studie kehrten sie daraufhin den Spieß um und erhöhten die Dosis Opioide.

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