Wirtschaft

Türkei: Ausländische Investoren buhlen um Pharmakonzerne

Die steigenden Umsätze der türkischen Pharmaindustrie haben das Interesse viele Investoren angelockt. Nun wetteifern Pharma-Riesen wie Pfizer, GlaxoSmithKline und Eli Lilly um Anteile des türkischen Konzerns MN Pharmaceuticals.

Ohne Zweifel hat sich die Türkei in den vergangenen Jahren zu einem aufstrebenden Markt der Pharmaindustrie entwickelt – und ist damit auch beliebtes Investitionsziel geworden (US-Investoren interessieren sich außerdem für Carbonfaser – mehr hier). Im vergangen Herbst, so eine Analyse von Bloomberg, wuchsen die Geschäftsabschlüsse in der Türkei schneller als in jedem anderen großen aufsteigendem Markt, einschließlich Indien und China.

Pfizer, GlaxoSmithKline und Eli Lilly wollen Anteile des türkischen Konzerns MN Pharmaceuticals erwerben. (Foto:Flickr/NVinacco)

Im Mittelpunkt des Interesses steht nun das türkische Pharmaunternehmen MN Pharmaceuticals. Bisher haben nicht nur die Pharma-Riesen GlaxoSmithKline Plc, Eli Lilly & Co. und Pfizer Inc. ernste Absichten bekundet (der türkische Pfizer-Chef Hakan Sakül wurde mit dem Harvard-Preis ausgezeichnet – mehr hier). Auch Mylan Inc. und Abbott Laboratories gehören zu den potentiellen Käufern. Eli Lilly soll schon seit Monaten mit der MN-Führung über eine mögliche Minderheitsbeteiligung gechattet haben.

Womöglich war Lillys Interesse dann auch ausschlaggebend für MN, bei der Bank Möglichkeiten eines Verkaufs abzuwägen. So heuerten die Eigentümer die Bank of America Merrill Lynch an, um den Anteil-Verkauf des Unternehmens zu übernehmen. Geheime Quellen gaben in der Bloomberg Businessweek an, dass der Verkauf schon Ende vergangenen Jahres eingeläutet wurde. Derzeit hat Merrill Lynch eine Auflistung der potentiellen Bieter sowie deren unverbindliche Angebote geschickt. Innerhalb von zwei Monaten werde die Ausschreibung abgeschlossen sein.Ob letztendlich tatsächlich Anteile des Unternehmens MN Pharmaceuticals verkauft werden, bleibt abzuwarten (sicher ist, dass die türkische Media-Group ATV-Sabah verkauft wird – mehr hier). Der geheimen Quellen zufolge, müsste sich die Familie des Gründers Mustafa Nevzat Pisak noch beraten, wie groß der Verkaufsanteil sein soll – also ob sie eine Mehrheit oder Minderheit verkaufen möchten. Der Deal solle dem türkischen Pharmakonzern rund eine Milliarde Dollar einbringen.

Das in Istanbul ansässige Unternehmen strebt zudem eine Bewertung von 15 bis 20 Mal EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) an. Während Pharmakonzerne wie Glaxo stets nach Angeboten in aufstrebenden Märkten suchen, ist es immer schwieriger geworden Käufe zu machen, die letztendlich auch wirtschaftlich sinnvoll sind, erklärt Glaxo-Vorstandvorsitzender Andrew Witty. So sind einige türkische Unternehmen bereits am Versuch eines Verkaufs gescheitert. So auch der größte türkische Konzern Abdi Ibrahim Ilac Sanayi & Ticaret sowie Biofarma Pharmaceutical Industry Co, die über zwei Jahre versuchten Anteile loszuwerden.

Der tschechische Konzern Zentiva NV, 2009 von Sanofi gekauft, hatte hingegen Glück und kaufte 2007 Dreiviertel des türkischen Unternehmens Eczacibasi und später die restlichen 25 Prozent.MN selbst hält sich bezüglich der Verkaufsgerüchte noch bedeckt. So reagierte Cengiz Sezen, Vorsitzender bei MN, weder auf E-Mails noch auf Telefonanfragen. Auch die potentiellen Interessenten äußerten sich nicht zu den Verkaufsplänen. Nur Abbas Hussain, Präsident von Glaxo sagte der Zeitung Hürriyet, er werde in die Türkei investieren.

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Kommentare

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  1. Wow, ich wusste nicht das die Türkei in der Pharmabranche ein ‚Tiger‘ ist!? Schon interessant wieviele Unternehmen in der Türkei tätig sind!