Tropenkrankheit

Mehr Malaria-Tote als angenommen

Eine Studie, die in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, hat ermittelt, dass die Zahl der Malaria-Toten im Jahr 2010 bei 1.238.000 lag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dagegen geht in ihrer Schätzung für dasselbe Jahr von 655.000 Toten aus.

Die Wissenschaftler um Prof. Christopher J. L. Murray von der University of Washington in Seattle haben für die Lancet-Studie Daten aus dem Zeitraum zwischen 1980 und 2010 gesammelt und ausgewertet. Es wurden neuere Daten und ein verbessertes Computermodell benutzt, um einen historischen Datenbestand für die letzten 30 Jahre zu erstellen.

Dabei haben sie sich bemüht, sogenannte Missklassifikationen zu korrigieren: Wenn beispielsweise eine Anämie als Todesursache bei einer Autopsie angegeben wurde, rechneten die Verfasser der Studie diese Fälle teilweise den Malaria-Opfern zu, da die gefährliche Tropenkrankheit die roten Blutkörperchen zerstört, was besonders bei Säuglingen und Kleinkindern zu einer schweren Anämie führen kann.

Durch diese differenziertere Betrachtung der Daten ergab sich eine Opferzahl, die um 21 % höher lag als vor der Anwendung der neuen Methoden. „Über die Stärken und Schwächen dieser Herangehensweise lässt sich streiten“, kommentiert Prof. David Schellenberg von der London School of Hygiene and Tropical Medicine die Studie. „Doch wir sollten uns nicht von den Details der Methode ablenken lassen: Wie man es auch immer betrachtet, es sterben viel zu viele Menschen an Malaria“, sagt Schellenberg.

Dass die Zahl der Malaria-Toten seit einigen Jahren im Sinken begriffen ist, könnte manch einem Anlass zur Hoffnung geben. Nach der Rekordsumme von 1,82 Millionen im Jahr 2004 ist ein stetiger Abwärtstrend zu beobachten. Murray und seine Kollegen prognostizieren, dass die Zahl der Malaria-Toten nach 2020 auf unter 100.000 im Jahr sinken könnte.

Der Chefredakteur von „The Lancet“, Richard Horton, sagte gegenüber der BBC, dass, auch wenn die Zahlen der Studie „verstörend“ seien, die Krankheit kontrolliert werden könne und werde. „In den letzten zehn Jahren wurden 230 Millionen Fälle von Malaria behandelt und den Menschen die gleiche Menge an Moskitonetzen zu Verfügung gestellt wurden, und das Resultat davon war ein großer Rückgang“, so Horton. „Was wir wissen, ist, dass wir an und für sich in der Lage sind, die Malaria mit den existierenden Maßnahmen auszuschalten.“

Allerdings steht zu befürchten, dass die kommende Weltwirtschaftskrise allen Optimisten einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen wird: „Die Ankündigung des Globalen Fonds [zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, Anm. d. Red.], dass die elfte Finanzierungsrunde gestrichen werde, lässt enorme Zweifel aufkommen, ob Fortschritte in der Reduzierung von Malaria-Sterblichkeit erzielt oder derzeitige überhaupt erhalten werden können“, so die Verfasser der Studie. Von 2003 bis 2008 kamen etwa 40 % der Hilfen im Kampf gegen Malaria aus dem Globalen Fonds. Murray und sein Team warnen: „Diese Verringerung der Ressourcen für die Kontrolle von Malaria ist eine reale und unmittelbare Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung der betroffenen Länder.“

 

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