Finanzierung

Versorgungsstrukturgesetz: Lediglich Umverteilung des Honorarmangels

Mit dem Versorgungsstrukturgesetz wurde die regionale Honorarfreiheit realisiert. Eine Angleichung regionaler Vergütungen ist damit passé. Kassenärztliche Vereinigungen befürchten, es werde lediglich eine Umverteilung des Honorarmangels stattfinden.

Die Ärzteschaft ist gespalten wegen der regionalen Honorare. (Foto: Flickr/TK_Presse)

Die Ärzteschaft ist gespalten wegen der regionalen Honorare. (Foto: Flickr/TK_Presse)

Das am 1. Januar in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz  legt die Honorarverteilung theoretisch in die Hände der Regionen. Damit liegt die Verantwortung nun bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Ein bundesweites einheitliches Niveau der Vergütungen zu schaffen, ist damit vom Tisch. Die Kassenärztlichen Vereinigungen fürchten eine Spaltung der Ärzteschaft. Zudem werden Sorgen laut, dass die neue Regelung nur ein Umverteilen des Honorarmangels darstelle und Verhandlungsspielräume gar nicht so groß seien.

Die Ärztezeitung berichtet von den Einschätzungen einiger KVen. Neun Kassenärztliche Vereinigungen haben über Vorteile und Nachteile gesprochen. Prinzipiell sind die KVen mit der Entwicklung zufrieden.

So sprechen sich die KVen Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein, Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für die regionale Beteiligung von Honorarfragen aus. Denn der entscheidende Vorteil des neuen Gesetzes bestehe darin, dass regionale Probleme sich nun besser berücksichtigen lassen. „Wir haben dadurch die Möglichkeit, die Honorarverteilung bedarfsgerechter zu gestalten“, sagt Marco Dethelsen, Pressesprecher der KV Schleswig-Holstein der Ärztezeitung. Die KV Rheinland-Pfalz hofft hingegen auf mehr Flexibilität, die neue Chancen bezüglich der stärkeren Einbindung regionaler ärztlicher Gremien bedeuten können. Zudem wäre auf der regionalen Ebene eine schnellere Realisierung von Änderungen möglich.

Doch die neue Regelung birgt auch Gefahren und Nachteile. So warnt die KV Berlin davor, dass mit einer schnelleren Durchführung auch schlechtere Ergebnisse erzielt werden könnten. Die KV Nordrhein (KVNo) formulierte das etwas schärfer: „Die Honorar- und auch die Gesamtvergütungskompetenz wieder auf die KV-Ebene zu verlagern, ist nicht geeignet, die Vergütungsunterschiede zwischen den KVen zu beheben“, erklärt KVNo-Pressereferentin Karin Hamacher. Die KV Nordrhein hätte Konvergenz der Vergütungen vorgezogen. Kein Wunder: Die Fallwerte, also die durchschnittlichen Werte eines Behandlungsfalls eines GKV-Patienten für den Vertragsarzt, waren lange Schlusslichter. Aktuell liegen sie bei immerhin 35,77 Euro.

Zum Vergleich: In Hamburg liegen sie um die 45 bis 50 Euro.
Da künftig der regionale Behandlungsbedarf in den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen zugrunde gelegt wird, ist somit die regionale Morbidität ausschlaggebend. Infolge des moderaten Zuwachses der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) von 1,25 Prozent in diesem Jahr werde es lediglich zu einer Umverteilungen mit Gewinnern und Verlierern kommen, so Dr. Ingo Mohn, Pressesprecher der KV Sachsen und weist damit auf das Konfliktpotential hin. Die KV Saarland vermutet überdies, dass der regionale Spielraum gar nicht so groß sein wird. Wie KV-Vorstand Dr. Gunter Hauptmann erklärt, liege die entscheidende Regelungskompetenz zunächst bei der KBV.

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