Altenpflege

Gesundheitsminister Bahr (FDP) will Pflege-WGs stärker fördern

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat angekündigt, sogenannte Pflege-WGs für Senioren stärker zu fördern. 30 Millionen Euro sollen für beispielsweise Umbauten von Wohnungen zu Verfügung gestellt werden.

In einem Interview mit der Bild-Zeitung äußert sich Bahr zu Rudi Assauer, die Umfragewerte seiner Partei und über ein geplantes Initiativprogramm, mithilfe dessen Senioren dazu angeregt werden sollen, in eine Pflege-WG zu ziehen. 30 Millionen Euro, die aus Beitragsgeldern kommen sollen, werden ab Januar 2013 an Senioren fließen, die diese relativ neue Form des Wohnens im Alter wählen.

„Dies sind bis zu 2.500 Euro einmalig pro WG-Bewohner“, legt Bahr im Interview dar. „Maximal könnte eine 4-köpfige Wohngruppe 10.000 Euro bekommen zur bestehenden Förderung von 10.000 Euro, also reden wir über 20.000 Euro, die dann bei Gründung einer Pflege-WG zur Verfügung stehen.“ Außerdem soll jeder Pflegebedürftige, der sich für eine solche Wohnform entscheidet, monatlich 200 Euro zusätzlich für die Bezahlung einer Pflegekraft erhalten.

Hiermit sollen vor allem Patienten, die keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen, aber dennoch gelegentlich auf Hilfe angewiesen sind, dazu bewegt werden, ihr Zuhause zu verlassen und ihren Bedürfnissen gerecht zu wohnen. „Das ist die Alternative zwischen Pflege zu Hause und Heim“, so Bahr.

Kritik kommt von Sozialverbänden: Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, warnte im Hamburger Abendblatt, den Ausbau von Wohngemeinschaften mit dem geheimen Ziel der Kosteneinsparung betreiben zu wollen. Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist auch unzufrieden: „Schon heute existieren ohne Wissen der Heimaufsicht private Wohngruppen, die Elendsquartiere am Rande der Legalität sind“, sagt Eugen Brysch, der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung.

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk, verteidigte Bahr die geplanten Maßnahmen als „zusätzliches Angebot“ und bestätigte die Vermutung von Ulrich Schneider: „Wir wollen Kosten vermeiden.“ Schließlich sei das Heim „das teuerste Angebot für die Pflege“.

Dass Kosten vermieden werden, ist – wie überall – bitter nötig, das weiß Bahr sehr gut: „Wir wissen, die Zahl der Pflegebedürftigen wird deutlich zunehmen. Wir wissen, dass immer weniger Junge in die Pflegeversicherung einzahlen. Das heißt, die Kosten werden steigen“, gibt er zu bedenken. Natürlich werde es auch in der Heimpflege einen wachsenden Bedarf geben „und auch dort werden Kosten steigen“.

Es ist also absehbar, dass in Zukunft nicht genug Geld vorhanden sein wird, um jeden im Sinne der Sozialverbände glücklich zu machen.

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