Sucht

Nüchtern bleiben für die Volkswirtschaft

Die Bundesregierung und ihre Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) haben ihre „Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik“ in Berlin vorgestellt. Die Hauptziele sind „die Reduzierung des Konsums legaler und illegaler Suchtmittel sowie die Vermeidung drogen- und suchtbedingter Probleme“.

Millionen Menschen in Deutschland rauchen gern mal ein bisschen Gras. Mechthild Dyckmans entspannt sich laut ihrer Website lieber bei einem guten Buch. (Foto: Flickr/prensa420)

Millionen Menschen in Deutschland rauchen gern mal ein bisschen Gras. Mechthild Dyckmans entspannt sich laut ihrer Website lieber bei einem guten Buch. (Foto: Flickr/prensa420)

Das Strategiepapier steht unter dem Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“ und löst den „Aktionsplan Drogen und Sucht“ aus dem Jahr 2003 ab.

„Unser Menschenbild geht vom freien, unabhängigen Menschen aus. Wer abhängig ist, kann
nicht frei über sein Leben entscheiden“ heißt es in hehren Worten in dem finalen Entwurf der Nationalen Strategie. Man wolle „Eigenverantwortung fördern“ und setze auf „Selbstverantwortung“. Dennoch seien neben Aufklärung und Prävention „allgemeine Verbote […] ein weiteres Element der Drogen- und Suchtpolitik“. Gerade wenn das Internet einen „vor neue Herausforderungen“ stellt: So gebe es dort, horribile dictu, „spezielle Websites“, auf denen die Menschen einen „ungehinderten Austausch über den Konsum der verschiedenen legalen und illegalen Substanzen“ pflegen.

Zwar weiß die Drogenbeauftragte, wo die Ursachen für eine Drogensucht liegen, so können nämlich „negative Erfahrungen“ und „Belastungssituationen wie Arbeitslosigkeit“ eine Rolle spielen, aber was kann man dagegen schon unternehmen? Also beschränkt sich die Nationale Strategie weiterhin auf die ihr gegebenen Möglichkeiten von Prävention, Intervention und Repression.

Die Aussage „Psychoaktive Substanzen ermöglichen ein Heraustreten aus der realen Welt mit allen ihren mehr oder weniger als belastend empfundenen Widrigkeiten“ ist eine weitere Erklärung für Drogenkonsum. Es wird die Betroffenen sicherlich beruhigen, dass sie die Widrigkeiten der realen Welt lediglich als belastend „empfinden“.

Die Antwort auf die Frage, warum der Konsum von Drogen reduziert werden soll, findet sich in der Einleitung: Neben gesundheitlichen und sozialen Problemen verursachen Suchtmittel in Deutschland auch „volkswirtschaftliche Probleme“. Deshalb hält Dyckmans eine Suchtprävention in Betrieben für wichtig. So würden die Arbeitgeber, die eine betriebliche Gesundheitsförderung anbieten, zu der auch Angebote der Alkohol- und Suchtprävention gehören, „durch weniger Fehltage und eine bessere Arbeitsleistung (ihrer Mitarbeiter, Amn. d. Red.) profitieren“.

Wie üblich werden auch in der Nationalen Strategie alle illegalen Drogen in einen Topf geworfen: „Illegale Drogen wie Cannabis, Heroin, Kokain, oder Amphetamine stellen für die Gesundheit der Menschen eine erhebliche Gefahr dar. […] Der tragischste Beleg für die Gefährlichkeit dieser Substanzen sind die Drogentodesfälle. Derzeit sterben in Deutschland jährlich etwa 1.250 Personen an den Folgen ihres Drogenkonsums.“ Dass sich darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ein einziger Cannabistoter befindet, ist eine Wahrheit, die Mechthild Dyckmans lieber unerwähnt lässt.

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  1. „Dass sich darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ein einziger Cannabistoter befindet, ist eine Wahrheit, die Mechthild Dyckmans lieber unerwähnt lässt.“

    Das hat aber nichts mit der Person Mechthild Dyckmans zu tun. Diese
    „Vorgehensweise“ hält sich schon seit Jahrzehnten.
    Warum wohl ? 😉