Neue Zahlen

Mehr Tote durch Behandlungspfusch?

Der Tupfer im Brustkorb nach einer Bypass-Operation, das vergessene Bauchtuch nach der Blinddarm-Operation, die mangelhafte Desinfektion und die daraus folgenden oft tödlichen Infektionen des Patienten sind den meisten bekannt. Die Regierung nannte nun Zahlen, die belegen, dass die Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler um ein Drittel angestiegen ist.

Die Regierung stellt mittels Zahlen dar, dass die registrierten Behandlungsfehler deutlich angestiegen sind. So habe es 2009 etwa 1189 und ein Jahr später bereits 1634 Behandlungsfehler gegeben. Todesfälle infolge von ärztlichen Fehlern seien von knapp 550 auf fast 950 in der gleichen Zeit pro Jahr angestiegen. Experten begegnen der Darstellung der Bundesregierung mit Skepsis, sprechen von einem statistischen Phänomen.

Realistische Zahlen?

Der Tupfer, das vergessene Bauchtuch... Experten zweifeln die Zahlen der Bundesregierung an, die von mehr Todesfällen durch Ärztepfusch ausgeht. (Foto: Army Medicine/Flickr)

Der Tupfer, das vergessene Bauchtuch... Experten zweifeln die Zahlen der Bundesregierung an, die von mehr Todesfällen durch Ärztepfusch ausgeht. (Foto: Army Medicine/Flickr)

Die Zahlen sind gewiss streitwürdig. Zum einen setzen die Kliniken und Ärzte seit wenigen Jahren immer mehr Fehlermeldesysteme ein, so dass die angestiegenen Fallzahlen eventuell mit der verstärkten Dokumentation einhergehen. Andererseits sehen unter anderem die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) oder die Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink die vorgelegten Zahlen als unrealistisch und zu niedrig an. Es gäbe sicherlich viele Dunkelziffern, da es sich hierbei nur um die tatsächlich zugegebenen und registrierten Behandlungsfehler handelt, so Maria Klein-Schmeink.

Die Techniker Krankenkasse gab ca. 40.000 Beschwerden von Patienten jährlich an. In den Schlichtungskommissionen und Gutachterstellen der Ärzteschaft sind zuletzt mehr als 11.000 Beschwerden pro Jahr eingegangen. So konnte die TK fast zwölf Millionen Euro an Regressen wegen fehlerhafter Behandlung gegenüber Ärzten und Einrichtungen geltend machen.

Forderungen der Kritiker

Gefordert wird von den Kritikern die Einführung eines umfassenden Meldesystems nicht nur in Kliniken, sondern auch in den Praxen. In Letzteren ist eine Erfassung von problematischen Verläufen durch etwaige Fehler in der Behandlung viel seltener als in Kliniken eingerichtet.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, sieht vor allem den enormen finanziellen Aufwand eines gut funktionierenden und effektiven Monitorings als ursächlich an für die fehlende Etablierung dieses so wichtigen Bausteins in der Behandlung von Patienten. Ein altes Sprichwort lautet: Aus Fehlern lernt man. So auch unsere Ärzte.

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