Innovation

Micro-Chip im menschlichen Körper verabreicht Medizin gegen Osteoporose

Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, einen Micro-Chip im menschlichen Körper einzupflanzen, der das Medikament Teriparatid enthält. Bei einer Studie bekamen acht Frauen einen Micro-Chip unter die Bauchhaut implantiert, der die Medizin zu vorgegebenen Zeiten computergesteuert ausschüttete

In fünf Jahren sollen Fingernagel große Micro-Chips routinemäßig einsetzbar sein. (Foto: Flickr/PNNL - Pacific Northwest National Laboratory)

In fünf Jahren sollen Fingernagel große Micro-Chips routinemäßig einsetzbar sein. (Foto: Flickr/PNNL - Pacific Northwest National Laboratory)

Ferngesteuerte Medikamenteneinnahme per Handy oder Computer

Erstmals ist es Wissenschaftlern gelungen, einen Micro-Chip, einen sogenannten Computer-Datenträger aus Metall, im menschlichen Körper einzupflanzen, der regelmäßig zu bestimmten Zeiten ein Medikament freisetzt. Es fand eine Untersuchung an acht Frauen in Dänemark statt, die am 16. Februar auf der Wissenschaftstagung AAAS in Vancouver vorgestellt wurde.

Die Teilnehmerinnen der Studie waren im Alter von 65 bis 70 Jahren. Ihnen wurde ein Micro-Chip unter die Bauchhaut implantiert, auf dem das knochenaufbauende Medikament Teriparatid gegen Osteoporose enthalten war. Mithilfe eines Personal Computers (PC), der über den Micro-Chip einen schwachen Stromschlag auslöste, konnte der Wirkstoff freigesetzt werden.

Wie die Dosierung auf dem Micro-Chip eingeteilt ist

Die Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge füllten das Medikament Teriparatid auf den Micro-Chip in 20 winzige Kammern (Dosierungen), die mit einer hauchdünnen Schicht aus Platin und Titan isoliert wurden. Mit jedem elektrischen Stromschlag, der durch das Metall geleitet wurde, schmolz die Schicht einer Dosierung – auf diese Weise wurde jeweils eine Portion Teriparatid ausgeschüttet. Der Zeitpunkt, an dem die Medizin ausgegeben werden soll, kann über den PC sowohl programmiert als auch manuell bestimmt werden.

Die Studien-Teilnehmerinnen bekamen 20 Tage lang täglich eine Dosis Teriparatid. Bei einer Frau funktionierte der Micro-Chip nicht. So beziehen sich die Studien-Ergebnisse letztlich auf sieben Frauen. Einige Teilnehmerinnen gaben an, den Fremdkörper nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr zu spüren.

Was bei Osteoporose passiert

Auf gewöhnlichem Wege wird Teriparatid mit einer täglichen Spritze verabreicht, wobei in diesem Fall das Präparat im Kühlschrank gelagert werden muss. Von Osteoporose sind besonders Frauen in den Wechseljahren betroffen. Sie gehört zu den Krankheiten, bei der sich die Knochensubstanz allmählich unbemerkt vermindert, der Mensch verspürt im Anfangsstadium keine körperlichen Veränderungen sowie Schmerzen. Die Medikamenteneinnahme wird deshalb häufig vergessen. Der Micro-Chip kann helfen, dieses Problem zu umgehen.

Micro-Chips sollen in wenigen Jahren routinemäßig eingesetzt werden

Noch hat der Micro-Chip die Größe einer Streichholzschachtel. In etwa fünf Jahren wollen die Wissenschaftler Micro-Chips routinemäßig einsetzen, die die Größe eines Fingernagels haben. Diese können auch für andere Krankheiten wie Bluthochdruck, Multipler Sklerose oder Krebs sinnvoll sein, heißt es. Ärzte sollen die Therapie ihrer Patienten nicht nur über einen PC steuern können, sondern auch über ein Mobiltelefon, erklärt Michael Cima, Autor der Studie, die auch im Journal Science Translational Medicine veröffentlicht wurde.

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