Umweltbelastung

Feinstaubalarm für Gehirnzellen!

Eine Wissenschaftlergruppe aus den USA hat herausgefunden, welche negativen Auswirkungen Feinstaub für den menschlichen Körper bereits in geringen Mengen unter dem gesetzlich festgelegten Höchstwert haben kann. Besonders das Gehirn ist betroffen.

Gehören Bilder wie diese bald verstärkt zum Alltag in Großstädten? Nicht wenige Menschen schützen sich bereits bei Feinstaub-Alarm mit Masken. (Foto: nakú/Flickr)

Gehören Bilder wie diese bald verstärkt zum Alltag in Großstädten? Nicht wenige Menschen schützen sich bereits bei Feinstaub-Alarm mit Masken. (Foto: nakú/Flickr)

Bekannt ist, dass Menschen in Industriegebieten und Großstädten einer deutlichen Mehrbelastung durch Feinstaub ausgesetzt sind. Auswertungen von Studien zeigten, dass in diesen Gebieten lebende Menschen zum Teil eineinhalb Jahre eher an den Folgen der Feinstaubexposition sterben. Aktuelle Daten eines Teams von Wissenschaftlern um Dr. Gregory Wellenius aus Providence/USA belegen aktuell, dass bereits Feinstaubkonzentrationen unter den bisherigen Grenzwertangaben eine erhebliche Belastung für den menschlichen Körper darstellen und große Schäden anrichten können.

Daten von 1700 Schlaganfallpatienten aus dem Gebiet um Boston wurden über einen Zehn-Jahres-Zeitraum hinweg ausgewertet und mit den zu dieser Zeit gemessenen Feinstaubkonzentrationen in Beziehung gesetzt. Die Feinstaubbelastung war während der Zeit fast immer unter den Grenzwerten von 40µg/m³. Nur knapp über zehn Tage wurden höhere Werte gemessen.

Entzündungen im Gewebe

Feinstaub führt zu Entzündungen im Gewebe, so zum Beispiel in den Hirnzellen. Die feinen Partikel werden als fremd erkannt und demzufolge vom Immunsystem attackiert. Dies hinterlässt Spuren in Form einer Entzündung. Die Entzündungen führen zu Zellschädigung und Zelluntergang, so dass es im Gehirn zum Tod von wichtigen Nervenzellen kommen kann. Ebenso wie Nervenzellen sind auch Blutgefäße und das Lungengewebe betroffen.

Feinstaub wird anhand der Partikelgröße eingeteilt in ultrafeinen (kleiner als 0,1 Mikrometer/µm), lungengängigen (< 2,5µm) und inhalierbaren (< 10µm) sowie groben Staub (> 10µm). Gemessen werden meist der inhalierbare und der lungengängige Staub, dessen Ursachen vor allem die Industrie, Heizungen und Autoabgase sind. Feinstaub führt nicht nur zu asthmatischen Beschwerden, sondern er kann den Blutdruck erhöhen und die Blutgefäße verstopfen. Letztlich wird somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mindestens verdoppelt.

Bis zu ein Drittel mehr Kranke

Die Auswertung der Daten von Wellenius Wissenschaftlergruppe ergab, dass mit steigender Feinstaubkonzentration in der Luft auch die Zahl der mit Verdacht auf Schlaganfall Eingewiesenen in die Bostoner Krankenhäuser stieg. Bis zu ein Drittel mehr Einweisungen waren es bei mäßig guter Luftqualität (15-40µg/m³) im Vergleich zu Tagen mit guter Luftqualität (< 15mg/m³).

Es stellt sich die Frage, ob die Definition einer mäßig guten Luftqualität mit diesen neuen Informationen überarbeitet werden müsste. Eigentlich sollte definitionsgemäß nämlich nur ein kleiner Teil der Menschen damit ein moderates Gesundheitsrisiko haben. Die Daten geben aber ein um 17 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko bei einer Feinstaubpartikelmessung von 10µg/m³ an. Autoabgase seien hierbei am schädlichsten. In unseren Städten darf der Grenzwert für den lungengängigen Staub von 50µg/m³ an 35 Tage im Jahr nicht überschritten werden.

Gesetzliche Neuregelung notwendig

Zusätzlich zum höheren Schlaganfallrisiko zeigte die Wissenschaftlergruppe um Dr. Jennifer Weuve aus Chicago mit der Auswertung einer Studie an 20.000 untersuchten Frauen über 70 Jahre (Arch Intern Med 2012; 127: 219), dass der kognitive Abbau um zwei Jahre schneller stattfindet, wenn die Frauen in feinstaubbelasteten Gebieten gelebt haben. Feinstaub erhöht demnach das Risiko an Demenz zu erkranken.

Kritiker dieser Daten meinen, dass soziale Komponenten wie Stress und soziale Unterschiede nicht berücksichtigt wurden, die auch eine wesentliche Rolle spielen. Da die Beobachtungen aber bei Tier und Menschen gleichermaßen gemacht wurden, kann diese soziale Komponente vernachlässigt werden.

Feinstaubbelastungen müssen gesetzlich neu geregelt werden. Hier sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefragt.

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