Wirtschaft

Pharmaindustrie bekommt Krise zu spüren

Durch die anhaltende Krise geraten auch die europäischen Pharma-Konzerne unter Druck. Regierungen können nicht mehr so viel Geld für ihr Gesundheitssystem ausgeben, was sich in den Bilanzen der Arzneimittelhersteller niederschlägt.

Der Handel mit Medikamenten ist ein Milliardengeschäft, viele Unternehmen wollen daran teilhaben. Doch durch die Krise wird der Kuchen kleiner. (Foto: flickr/erix!)

Der Handel mit Medikamenten ist ein Milliardengeschäft, viele Unternehmen wollen daran teilhaben. Doch durch die Krise wird der Kuchen kleiner. (Foto: flickr/erix!)

„Die Euro-Krise zwingt Regierungen, den Umgang mit Medikamenten zu überdenken“, sagt Richard Bergström, Generaldirektor der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations, gegenüber der New York Times. Weil die Preise, die die Regierungen auszugeben bereit sind, fallen, müssen die Pharma-Unternehmen ihre Strategien überdenken und ökonomische Faktoren früher in den Entwicklungsprozess von neuen Mitteln miteinbeziehen.

Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, legt in einem Interview mit dem Wall Street Journal dar, welche Risiken darin liegen können: „Ich verstehe, dass Regierungen wegen der Schuldensituation unter Druck stehen […] Aber es gibt einen Nebeneffekt: Wir finanzieren die Entwicklung neuer Medikamente mit dem Profit an derzeitigen Medikamenten, und dieser Profit ist deutlich zurückgegangen. In Deutschland gibt es beispielsweise einen Zwangssrabatt von 16 Prozent auf alle verschriebenen Mittel. So verlieren wir 16 Cent an jedem Euro. Das mag sich kurzfristig gut anfühlen, hat aber Konsequenzen für die Gesellschaft in der Zukunft.“

Und die Konsequenzen wird nicht nur Deutschland zu spüren bekommen: „2011 war das erste Jahr, in dem der Bereich Forschung und Entwicklung in der gesamten (Pharma-)Industrie am Boden lag“, weiß Richard Bergström. In jenem Jahr sei der Verkauf von Arzneimitteln an Apotheken und Krankenhäuser in Frankreich um 2,2 Prozent zurückgegangen, in Italien um 3,1 Prozent und im krisengeplagten Spanien sogar um fast neun Prozent, wie das Unternehmen Business Monitor International berichtet.

Kaushal Shah, einer der Analysten von Business Monitor, erklärt in der New York Times, dass sich die Auswirkungen der Krise am deutlichsten im Stellenabbau der Pharma-Konzerne zeigten. Das britische Unternehmen AstraZeneca plant, mehr als 7.000 Stellen in Europa zu streichen, der Schweizer Konzern Novartis will in diesem Jahr etwa 2.000 Jobs in den USA abbauen.

Novartis hat außerdem Probleme mit säumigen Schuldnern in europäischen Krisenländern: „Mit der Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Kreditbedingungen in diesen Ländern hat sich die Zahlungsfrist für offene Rechnungen erhöht. Dies wird uns wahrscheinlich dazu zwingen, unsere zukünftige Politik der Schuldeneintreibung zu überdenken“, sagt Isabel Guerra, Pressesprecherin von Novartis gegenüber swissinfo.ch. Man beschränke sich bei Novartis zunehmend auf Cash-Zahlungen.

Insgesamt haben europäische Länder 12 bis 15 Milliarden Euro Schulden bei der Pharmaindustrie. Doch auch aus zuverlässigen Ländern wie Deutschland kommt weniger Geld bei den Unternehmen an: Im Jahr 2011 hat die Bundesregierung dank der Arzneimittel-Nutzenbewertungsverordnung 1,9 Milliarden Euro für die Ausgabe von Arzneimitteln gespart. Diese Milliarden fehlen natürlich in den Kassen der Hersteller.

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