Pharmaindustrie

Bayer-Chef warnt vor ausbleibender Innovation durch Einsparungen

Der Vorstandsvorsitzende des Bayer-Pharmakonzerns Dr. Marijn Dekkers warnt vor den Folgen der weltweit ausufernden Gesundheitsreformen. Durch diese Reformen werden neue Gebühren für die Pharmaindustrie eingeführt. Herr Dr. Dekkers sieht dadurch künftige Forschungen und Innovationen gefährdet.

Die Erforschung neuer Medikamente ist notwendig, aber auch teuer. (Foto: Shawn Oster/Flickr)

Die Erforschung neuer Medikamente ist notwendig, aber auch teuer. (Foto: Shawn Oster/Flickr)

Medikamente werden erst nach sehr langer Erprobung innerhalb der Pharmaindustrie zugelassen. Studien müssen die Ungefährlichkeit und Wirksamkeit des Wirkstoffs mehrfach beweisen. Doch Studien und Forschung kosten viel Geld. Diese Kosten, so Dr. Marijn Dekkers, werden unter anderem aus den Einnahmen schon auf dem Markt befindlicher Medikamente gedeckt. Sollten durch etwaige Gesundheitsreformen nun Gebühren für die Pharmaindustrie entstehen, so könnte die Medikamentenforschung darunter leiden.

Im Jahr 2010 wurde in Deutschland mittels GKV-Änderungsgesetz bereits eine Erhöhung des Zwangsrabatts für nicht festpreisgeregelte Medikamente beschlossen. Die Erhöhung lag bei zehn Prozent von sechs auf 16 Prozent. Hintergrund der Gesetzesänderungen waren vor allem die Haushaltslöcher der Krankenkassen und die enorm gestiegenen Kosten für Medikamente.

Neue Medikamente, sogenannte Innovationen, waren vor der Gesundheitsreform 2011 von der Festpreisregelung ausgeschlossen. Pharmakonzerne legten die Preise selbstständig fest. Deutschland war im internationalen Vergleich dabei sehr teuer. Neue Medikament sind erst einmal patentgeschützt und der Preis wird durch den Pharmakonzern vorgeschrieben.

Mit der Reform müssen sich Pharmafirmen bereits nach einem Jahr auf Gespräche zu Festpreisregelungen ihrer neuen Medikamente einlassen und sich einigen. Außerdem müssen Pharmafirmen nun bei neuen Medikamenten einen besonderen Zusatznutzen nachweisen, ansonsten werden diese Medikamente automatisch von Beginn an in die Festpreis- und Rabattregelung mit eingestuft – zum Nachteil der Pharmaindustrie, denn die erleidet dabei finanzielle Verluste.

Dr. Dekker ist der Ansicht, dass viele Menschen gar nicht das Hintergrundwissen haben, wie es zur Entwicklung neuer Medikamente kommt. Sie interessieren sich nicht für die Firma hinter dem Medikament, sondern vor allem für den Preis. Dass die Erforschung neuer Medikamente viel kostest, beweist er durch Zahlen des Gerinnungshemmers Xarelto ® (Rivaroxaban). Zwei Milliarden Euro habe man für die Forschung aufwenden müssen. Diese Geldanlage müsse sich irgendwo auszahlen und Gewinn erbringen, sonst könne man nicht in künftige Projekte investieren. Dr. Dekker sieht die Diskussion in der Öffentlichkeit als Chance, allen Laien einen Einblick in die spezifischen Strukturen der Entwicklung neuer Medikamente zu geben und Verständnis für die erhobenen Preise zu bekommen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Diese Meinung der Firma Bayer kann ich so nicht teilen, denn heute wird ja keine Ursachen Forschung mehr betrieben, sondern lediglich die Symptome behandelt.
    Da auch die Fördergelder an den Universitäten von dem Interesse der Pharma Industrie abhängig sind, ist in Deutschland schon lange keine freie ehrliche Forschung möglich.