Finanzierung

Pharmaunternehmen gewähren nicht jedem Rabatt

Seit dem 1. Januar 2011 ist den Arzneimittelherstellern vorgeschrieben, Krankenkassen einen Rabatt von 16 Prozent auf ihre Produkte zu gewähren, das gilt auch für private Kassen. Doch die klagen jetzt über eine mangelnde Zahlungsmoral der Pharmaunternehmen.

Mit dem Zwangsrabatt auf Arzneimittel sollten auch private Kassen entlastet werden. Denen fehlen jetzt aber 20 Millionen Euro. (Foto: flickr/TK_Presse)

Mit dem Zwangsrabatt auf Arzneimittel sollten auch private Kassen entlastet werden. Denen fehlen jetzt aber 20 Millionen Euro. (Foto: flickr/TK_Presse)

Rund 20 Millionen Euro fehlten in den Kassen der privaten Krankenversicherungen, sagt Christian Hälker, Geschäftsführer einer eigens gegründeten Zentrale zur Abrechnung von Arzneimittelrabatten (Zesar), gegenüber dem „Handelsblatt“.

So gebe es einige „wenige Zahlungsverweigerer, darunter ein großes Pharmaunternehmen sowie einige Arzneimittel-Re-Importeure“. Um wen es sich dabei handelt, will Hälker aber mit Rücksicht auf laufende Gespräche nicht sagen. Brancheninsider sind der Meinung, dass mit dem „großen Pharmaunternehmen“ der Schweizer Konzern Novartis gemeint ist, der selbst Geldprobleme auf sich zukommen sieht (siehe hier und hier). Novartis erklärt, dass man sich derzeit in der Diskussion befinde, wie der Zwangsrabatt zugunsten privater Krankenkassen ausgestaltet werden könnte. „Wir bitten Sie daher um Verständnis, dass wir zu dieser Angelegenheit derzeit keine weitere Stellungnahme abgeben“, so die Antwort seitens Novartis.

Insider vermuten auch Bedenken bei Novartis, ob ein Zwangsrabatt zugunsten von privaten Krankenkassen überhaupt verfassungskonform ist. Einen derart weitgehenden Eingriff in die Gewerbefreiheit von Unternehmen hatten das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof bislang nur dann für zulässig erklärt, wenn die Sicherung der Finanzierbarkeit der sozialen Krankenversicherung gewährleistet werden musste.

Am 1. Januar 2011 geschah es zum ersten Mal, dass Zwangsrabatte außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet wurden. Der damalige Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) wollte damit die Explosion der Kosten im Gesundheitssystem abmildern und die privaten Krankenversicherer um 130 Millionen Euro im ersten Jahr entlasten.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *