Unternehmen

Pharma-Konzerne wollen Forschung und Entwicklung auslagern

Die aktuelle Wirtschaftslage zwingt immer mehr Pharmakonzerne, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu kürzen. Hier liegt ein gutes Beschäftigungspotential für kleine Unternehmen.

Früher rührten die Apotheker ihre Mittelchen selbst an, später kamen die großen Pharma-Konzerne. Heute sind wieder kleine Unternehmen gefragt. (Foto: Wikipedia)

Früher rührten die Apotheker ihre Mittelchen selbst an, später kamen die großen Pharma-Konzerne. Heute sind wieder kleine Unternehmen gefragt. (Foto: Wikipedia)

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Marijn Dekkers, hatte bereits gewarnt, dass aufgrund von staatlichen Sparmaßnahmen und Verordnungen weniger Milliarden in die Kassen der Pharma-Unternehmen fließen und somit wichtige Investitionen in den Entwicklungsbereich ausbleiben werden (siehe hier).

Doch wo Schatten ist, da ist auch manchmal Licht: Große Arzneimittelhersteller wollen das finanzielle Risiko, das eine ausgiebige Forschung mit sich bringt, immer häufiger auslagern und greifen dabei auf externe, kleinere Forschungsunternehmen zurück. Der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca hatte Ende 2011 insgesamt 22 Mittel, die sich noch in der Testphase befanden, zur Forschung freigegeben und damit einen enormen Schritt in Richtung eines neuen Konzepts der Medikamentenentwicklung getan.

„Idealerweise wollen große pharmazeutische Unternehmen die großen Phase-III-Studien (der klinischen Forschung, Anm. d. Red.) betreiben – hier kommt Pharma zu seiner vollen Geltung“, sagt Ken Mulvany, Vorstandsvorsitzender von Proximagen, einer britischen Biotech-Firma, die sich auf die Erforschung von Behandlungsmethoden von neurodegenerativen Krankheiten spezialisiert hat, gegenüber der „Financial Times“. Firmen wie die seine könnten „das Übersetzungsstück“ zwischen der Erforschung und der Bewertung des Medikaments sowie dessen schlussendlicher Markteinführung sein.

Der französische Pharma-Konzern Sanofi-Aventis will in die gleiche Richtung gehen: „Was Sanofi derzeit macht, ist, seine eigene interne Forschungskapazität zu reduzieren“, erklärte der Vorstandsvorsitze Chris Viehbacher bei einer Konferenz in North Carolina: „Die Zeiten, in denen wir all unsere Wissenschaftler in einem Haus eingeschlossen und sie auf einem hübschen, baumgesäumten Campus platziert haben, sind vorbei.“ Man werde sich bei Sanofi zwar weniger Forschung betreiben, sich aber nicht gänzlich zurückziehen, so Viehbacher. Man wolle verstärkt mit externen Firmen, Start-Ups aus dem Biotech-Bereich und Universitäten zusammenarbeiten.

Clive Dix, ein erfahrener Entrepreneur im Bereich der Biowissenschaften, legt dar, wie welche Vorteile kleine Unternehmen gegenüber den großen Pharma-Riesen haben: „Kleine Unternehmen können Dinge tun, die die Großen nicht können. Denn bei den Großen sind zu viele Entscheidungsträger involviert, darunter leiden Innovationen. Dies ist der Anbruch einer guten Zeit für Biotech-Unternehmen, in den nächsten fünf Jahren werden sie die wichtigste Rolle im Geschäft der großen Pharma-Unternehmen spielen.“

Dix ist Mitbegründer der Firma PowderMed, die Impfstoffe entwickelt und im Jahr 2006 von Pfizer für 400 Millionen US-Dollar gekauft wurde. Er glaubt fest daran, dass Pharma-Konzerne gewillt sind, ausgewählte Medikamente in der finalen Stufe ihrer Entwicklung zu kaufen. Dies kann seiner Meinung nach einen schnellen und lukrativen Exit für Venture-Capital-Gesellschaften mit sich bringen.

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