Gesundheitsökonomie

USA: Einsatz der „Pille“ bringt Ersparnisse für Steuerzahler

Eine fallweise staatliche Förderung der Antibabypille ist auch Teil des US-Wahlkampfs. Aktuelle US-Studien zeigen, dass die Förderung von Verhütungsmitteln letztendlich das zwei- bis sechsfache an Steuerersparnissen mit sich bringt. Außerdem sind 30 % der Verringerung der Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern der Pille zuzurechnen.

Die wie in Deutschland bereits übliche, fallweise staatliche Förderung der Antibabypille ist auch ein brisantes Thema im US-Wahlkampf. Aktuelle Studien zeigen, dass alleine die Förderung von Verhütungsmitteln dem Steuerzahler mit Ausgaben von 235 Millionen US-Dollar langfristig 1,32 Milliarden US-Dollar an Ersparnissen bringen könnte. Außerdem habe die Pille besonders für Frauen mittleren IQs eine deutliche wirtschaftliche Verbesserung gebracht und einen Anteil von 30 % an der Verringerung der Gehaltsschere.

Ungewollte Schwangerschaften passieren in den USA überproportional oft bei Frauen die unverheiratet, arm und noch im Teenager-Alter sind (Quelle: The Brookings Institute)

Ungewollte Schwangerschaften passieren in den USA überproportional oft bei Frauen die unverheiratet, arm und noch im Teenager-Alter sind (Quelle: The Brookings Institute)

48 % aller Schwangerschaften in den USA sind nicht beabsichtigt. Und diese ungewollten Schwangerschaften passieren überproportional oft bei Frauen die unverheiratet, arm und noch im Teenager-Alter sind. Die Statistik zeigt, dass diese ungewollten Schwangerschaften letztendlich zu einem niedrigerem Bildungsniveau und höherer Arbeitslosigkeit bei den Müttern, und zu höheren Kriminalitätsraten und schlechterer Bildung, Gesundheit und Kaufkraft bei deren Kindern führen.

Der Einsatz von bestimmten Kampagnen für die Verwendung von Verhütungsmittel kann den US-Steuerzahlern für jeden dafür ausgegebenen Dollar 2 bis 6 US-Dollar an Ersparnissen bringen. Das sagt eine aktuelle Studie des Georgetown-Professors Adam Thomas. Infokampagnen in den Massenmedien könnte den Steuerzahlern bis zu 431 Millionen US-Dollar an Ersparnissen jährlich bringen, verstärkte Sexualkunde und Verhütungsprogramme für Teenager 356 Millionen US-Dollar. Und alleine die staatliche Förderung von Verhütungsmitteln wie der Pille könnte in den USA mit Ausgaben von 235 Millionen US-Dollar insgesamt 1,32 Milliarden US-Dollar an Ersparnissen für die Volkswirtschaft mit sich bringen.

Eine aktuelle Studie von Martha J. Bailey, Brad Hershbein und Amalia R. Miller in den USA zeigt auch, dass junge Frauen, die in den 1960er Jahren Zugang zur Pille hatten, im Alter von 50 Jahren um 8% mehr pro Arbeitsstunde verdienen als Frauen, die in ihrer Jugend keine Pille nahmen. Der Pille 30% seien der Verringerung der Gehaltsschere von Männern und Frauen zwischen 1990 und 2000 zuzurechnen. „Frauen, die schon früh Zugang zur Pille hatten, kamen auf höhere Stundengehälter in ihren Zwanzigern und der Unterschied stieg zu statistisch relevanten 20 % im Alter zwischen 30 und 49.“

Die bekannteste Studie zur langfristigen Auswirkung der Pille stammt von den beiden Harvard-Volkswirten Claudia Goldin und Lawrence F. Katz, die sagen, dass die Pille Frauen „viel mehr Sicherheit hinsichtlich der Konsequenzen von Sex“ gab. Damit „sanken die Kosten in langfristige Karriereziele zu investieren“ und ermöglichte Frauen, die Schule abzuschließen oder zu studieren, anstatt gleich häuslich zu werden. Die Pille machte auch den Heiratsmarkt offener und breiter, denn Jugendliche, die eine Hochzeit hinaus schieben konnten, hatten auch mehr Zeit sich einen passenden Partner auszusuchen. „Der Großteil der Gehaltssteigerungen geht auf das Konto von Frauen mit einem durchschnittlichen IQ“, sagen Bailey, Hershbein und Miller. Der Grund: Die Pille gab „durchschnittlich fähigen“ Frauen die Möglichkeit, sich für eine bezahlte Arbeitsstelle zu entscheiden.

Verhütungsmittel – und insbesondere die Pille – haben deutliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaft: Frauen konnten dadurch in ihre eigenen Fähigkeiten und Ausbildung investieren, in größeren Zahlen in den Arbeitsmarkt einsteigen, besser bezahlte Jobs mit größerem Ansehen ausüben und mehr Geld verdienen. Und letztendlich scheint dadurch auch der Steuerzahler entlastet zu werden.

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