Fusion

Pharma-Unternehmen Roche buhlt um die Gunst von Gentech-Spezialist Illumina

Das Schweizer Pharma-Unternehmen Roche plant, den Gentechnikspezialisten Illumina Inc. zu übernehmen. Dem ist aber das Angebot von 44,50 US-Dollar pro Aktie zu niedrig.

Wenn Roche und Illumina ihr Wissen zusammenlegten, hätte das viele Vorteile für Patienten. Da aber die Profitmaximierung über dem Patientenwohl steht, ist erst einmal Warten angesagt. (Foto: flickr/Libertinus)

Wenn Roche und Illumina ihr Wissen zusammenlegten, hätte das viele Vorteile für Patienten. Da aber die Profitmaximierung über dem Patientenwohl steht, ist erst einmal Warten angesagt. (Foto: flickr/Libertinus)

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sieht Illumina seinen Wert in dem Angebot nicht genügend repräsentiert: „Es wurde eine extrem niedrige Anzahl an Aktien angedient“, so ein Sprecher des Unternehmens, „übereinstimmend mit unserer Ansicht – und der unserer Aktionäre – dass das Angebot von Roche nicht die einzigartige Führungsposition von Illumina, die geschäftliche Leistung und die Aussichten für die Zukunft widerspiegelt.“

Roche jedoch hält an seinem Angebot von insgesamt 5,7 Milliarden US-Dollar fest. „Roche und Illumina können von einem raschen Zusammengehen profitieren, doch bieten sich gerade in diesem Bereich für uns auch Alternativen an, sollte die Übernahme am Preis scheitern“, warnte Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer in Richtung des amerikanischen Unternehmens auf einer Versammlung von Roche-Aktionären in Basel.

Illumina ist im Bereich der Gensequenzierung tätig, ein Feld, das auch von Roche bearbeitet werde und dessen technologischer Fortschritt „in Quantensprüngen auch bei anderen Firmen“ vorangehe, so Humer. Er bekräftigte das Angebot, 44,50 Dollar pro Aktie zahlen zu wollen, und bezeichnete es als „attraktiv und fair“. Diese Offerte hat Roche nun bis zum 23. März verlängert.

Analysten sind skeptisch, wie viel Gehalt die Drohungen von Humer haben: „Vordergründig gibt es Alternativen, aber nicht in der Qualität von Illumina“, sagt Karl-Heinz Koch von Broker Helvea gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“. Martin Voegtli von Kepler Capital Markets ist der gleichen Meinung: „Ich denke nicht, dass Roche bei Illumina davonläuft.“ Man geht in Beobachterkreisen davon aus, dass Roche sein Angebot noch aufstocken wird.

Das Unternehmen aus Basel ist für seine Hartnäckigkeit bei Übernahmen bekannt: Dem Kauf der amerikanischen Diagnostik-Firma Ventana gingen siebenmonatige Verhandlungen voraus, bis das Geschäft 2008 besiegelt werden konnte; mit dem US-Biotech-Riesen Genentech musste Roche acht Monate verhandeln, bis die Übernahme zustande kam. In beiden Fällen hat Roche mehr bezahlen müssen als anfangs geplant war.

Die Schweizer wollen mit dem Kauf von Illumina ihr Diagnostikgeschäft weiter ausbauen. Das würde es ihnen möglich machen, Medikamente zu produzieren, die speziell auf eine bestimmte Patientengruppe zugeschnitten sind. Davon würden also letztendlich auch Patienten etwas haben, doch bis deren Interessen berücksichtigt werden, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen.

 

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