Datenschutz

European Privacy Association: „Elektronische Patientenakte lässt sich nicht aufhalten“

Die unterschiedliche Handhabung von Patientenakten in der EU schade dem Binnenmarkt und der Innovationsfähigkeit des Gesundheitssystems, sagt die EU-Kommission. Trotz Datenschutzproblemen sei die Entwicklung – etwa auf einer „Need-to-Know“-Basis – unumstößlich.

Nur zwei Drittel aller EU-Krankenhäuser verwenden ein integriertes System für elektronische Patientendaten. Jedes fünfte Krankenhaus arbeitet noch immer ausschließlich mit Papierform. Heute gibt es überall in Europa unterschiedliche Wege der Patientendatensammlung und -speicherung. Sogar innerhalb der einzelnen Länder gibt es Unterschiede: „Manchmal auch innerhalb von Städten, oder sogar innerhalb von Krankenhäusern“, sagt Birgit Berger, die Generalsekretärin des Ständigen Ausschuss der europäischen Ärzte (CPME), dem Blog EUobserver.

Diese Fragmentierung ist ein Hindernis für die Entwicklung des EU-Binnenmarkts und für Innovationen am Gesundheitssektor, sagt die Europäische Kommission. Das EU-finanzierte Pilotprojekt epSOS soll den Grundstein für den EU-weiten Austausch von Patientendaten bis 2015 legen.

Eine große, zentrale Datenbank aller persönlichen Gesundheitsakten, die die gesamte Krankengeschichte eines Patienten zeigt, wäre ein Datenschutzproblem. „Ein Monster“, nennt es der stellvertretende Europäische Datenschutzbeauftragte, Giovanni Buttarelli. Das System wäre damit anfällig für Sicherheitsverletzungen.

Besser wäre der Zugang zu Daten auf einer „Need-to-Know”-Basis in einem Netzwerk lokaler Datenspeicherung. Somit hätte ein praktischer Arzt andere Zugänge als ein Neurochirurg. „Eine Harmonisierung der Standards würde Klarheit in die Frage bringen, wer zu welchen Daten warum Zugang hat“, sagt Buttarelli. „Ich sehe aber große Probleme bei lokalen und nationalen Behörden. Hier fehlt es noch oft an einer Datenschutzkultur.“ So verschwand im Juni 2011 ein Laptop mit acht Millionen Patientendaten aus dem Büro der britischen Gesundheitsbehörde. Auch in Finnland, den Niederlanden und Spanien gelangten in der Vergangenheit Patientendaten an die Öffentlichkeit.

Die genaue Infrastruktur der Zukunft ist noch offen, aber die Entwicklung in Richtung der elektronischen Patientenakte lasse sich nicht aufhalten, sagt Paolo Balboni von der European Privacy Association. Aber sie werde wahrscheinlich auf nationalen Kontaktstellen – also Vermittlern zwischen den Ärzten – aufbauen.

Die Europäische Kommission und das US-Gesundheitsministerium haben 2010 vereinbart, einen gemeinsamen Weg beim Austausch von Gesundheitsdaten zu beschreiten. Auch Länder wie Brasilien, Russland oder China haben schon ihr Interesse bekundet.

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