Forschung

Forscher warnen: Telemedizin in Deutschland unterentwickelt

Technologische Innovationen im Medizinbereich sind in Deutschland zuwenig praxisorientiert und können daher im Gesundheitswesen oft nicht verwendet werden. Es gäbe erschreckend viele Rohrkrepierer, kritisieren Gesundheitsökonomen.

Der Gesundheitsstandort Deutschland geht mit seinen Zukunftschancen auf dem Gebiet der Telemedizin leichtfertig um. „In Sachen Telemedizin ist es in Deutschland fünf vor zwölf!“ warnte heute der Gesundheitsökonom PD Dr. Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln. Es drohten vergleichbare Enttäuschungen wie bei der elektronischen Patientenakte.

Deutschland habe eine sehr aktive, vielfältige und große Landschaft zur Entwicklung und Erprobung innovativer Internet-Lösungen für Gesundheitserhaltung und –überwachung zu Hause. Insbesondere mit Blick auf kardiologische Erkrankungen und auf die Unterstützung chronisch kranker Menschen gibt es vermehrt Belege für die medizinische Leistungsfähigkeit und auch für die ökonomische Effizienz entsprechender Ansätze. Jedoch tut sich der Telemedizinstandort Deutschland schwer, innovative Lösungen breitflächig und dauerhaft umzusetzen. „Sehr, sehr viele neue Ansätze werden als F&E-Projekte gestartet und öffentlich gefördert, bewähren sich in Pilotprojekten, stehen aber hinterher nicht als dauerhafte Angebote zur Verfügung. Telemedizin in Deutschland leidet unter „Pilotitis“ und produziert erschreckend viele „erfolgreiche Rohrkrepierer“, so Hilbert.

Die Gründe für die Umsetzungsschwierigkeiten sieht Hilbert u.a. in der Technologiefixierung vieler „Macher“ und der daraus folgenden Ignoranz für die etablierten, rechtlich vorgeschriebenen Einführungskanäle medizinischer Neuerungen wie Klinische Studien und gesundheitsökonomische Evaluationen. Zudem blockierten Interessengegensätze in der Welt der Medizin die Umsetzung und Geschäftsmodelle beim unerlässlichen Zusammenspiel sektorübergreifender Versorgungsstrukturen fehlten. Problemverschärfend wirke, dass die Anbieterlandschaft sehr unübersichtlich ist und dass es kaum transparente Qualitätsstandards gibt.

Noch sei allerdings Zeit umzusteuern, meint der Gesundheitsökonom: Die Telemedizininnovatoren sollten sich verstärkt mit den Gesetzmäßigkeiten für Innovationen im Gesundheitswesen vertraut machen und die vielen Voraussetzungen, Etappen und Hürden für erfolgreiche Innovationen im Sinne einer Innovationsstraße von Anfang an mitbedenken. „Ganz entscheidende Weichenstellungen sind dabei die medizinische Wirksamkeit, die wirtschaftliche Effizienz und die betriebswirtschaftliche Umsetzungsfähigkeit!“

Kommentare

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  1. ich denke,dass hier vor allem das RKI und der Gemeinsame Bundesausschuss für eine moderne Medizin ein Hinterniss ist.
    Von dort wird alles moderene und neue zu Kosten der Patienten blockiert.
    Im G-BA sitzen nur Vertreter der KK , Politik usw. Patienten haben hier keinerlei Rechte oder Mitspracherecht
    Hier in diesem Bereich ist dringend ein Umdenken erforderlich.