Krankenversicherungen

Hartmannbund: Diskussion über private KV bedroht Gesundheitssystem

Die Ärztevereinigung Hartmannbund hält die Idee der CDU, die private Krankenversicherung abzuschaffen, für gefährlich. In einer alternden Gesellschaft sollte ein gut funktionierendes System nicht in Frage gestellt werden.

Reinhardt bezeichnet Diskussion über die Zukunft der Privaten Krankenversicherung als absurd und gefährlich

Als „völlig verwirrt“ hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, die aktuelle Diskussion über die Zukunft der Privaten Krankenversicherung bezeichnet. Es sei absurd und gefährlich zugleich, vor dem Hintergrund der enormen demographischen Verwerfungen einer alternden Gesellschaft ausgerechnet ein System in Frage zu stellen, das auf Nachhaltigkeit und Demographiefestigkeit durch Rückstellungen setze. Reinhardt: „Wir brauchen ganz besonders in diesem Sinne die Private Krankenversicherung auch weiterhin als eine tragende Säule unseres im Kern bewährten Gesundheitssystems.“ Offensichtlich ließen sich einige gesundheitspolitische Akteure nicht zuletzt auch durch ein momentanes konjunkturbedingtes Einnahme-Hoch der Gesetzlichen Krankenkassen dazu verleiten, fahrlässig das Ende der PKV einzuläuten. Dies allerdings werde sich angesichts des offensichtlichen Konstruktionsfehlers eines umlagefinanzierten und rein einkommensbezogenen Systems schon bei der nächsten Konjunkturdelle als fataler Fehler erweisen, so Reinhardt weiter.

Dass sich aktuell nun die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, in die Phalanx derer einreihe, die das Geschäftsmodell der PKV für „auf Dauer nicht tragfähig“ halten, verwundere zwar nicht, es gehöre allerdings eine gesunde Portion Chuzpe dazu, gleichzeitig jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge an Steuermitteln in Empfang zu nehmen, um das System der Gesetzlichen Krankenversicherungen zu stabilisieren. Unabhängig davon werde die von Pfeiffer fälschlicherweise behauptete Abwanderungsbewegung von der Privaten Krankenversicherung durch den zuletzt dokumentierten Netto-Zuwachs von über 80.000 PKV-Mitgliedern eindrucksvoll widerlegt.

Nicht zuletzt an die neuen PKV-Skeptiker in der Regierungskoalition gewandt, warnte Reinhardt vor einer Fortsetzung der Unterminierung des PKV-Systems. „Seit Jahren sind viele Innovationen und die Umsetzung so manch medizinischen Fortschritts – ausdrücklich auch zum Nutzen der GKV-versicherten Patientinnen und Patienten – nur noch durch die Private Krankenversicherung möglich“, sagte der Hartmannbund-Vorsitzende. Das verstelle im Übrigen auch bei bekennenden Befürwortern der PKV keineswegs den Blick dafür, dass es dort aktuell durch überhöhte Provisionszahlungen und den Einkauf schlechter Risiken zu Verwerfungen bei den Beiträgen gekommen sei, die es mittelfristig zu korrigieren gelte. Dabei, so Reinhardt, müsse die PKV allerdings unterstützt werden, anstatt hier die Chance einer möglichen Demontage zu wittern.

Reinhardt: „Derzeit muss man leider den Eindruck gewinnen, dass die Private Krankenversicherung in ihrer bewährten Form eines der ersten Opfer vorgezogener Sondierungsbemühungen einer Großen Koalition nach 2013 werden könnte.“ Ein derartiger Vorbote lasse allerdings für die mögliche Gesundheitspolitik einer derartigen Regierungskonstellation Schlimmes erahnen.

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