Krankenkassen starten Aktion gegen Krankenhauskeime

Die zahlreichen aktuellen Vorfälle mit Krankenhauskeimen haben die Krankenversicherungen auf den Plan gerufen. In einem Pilotprojekt in Bremen und Bremerhaven soll nun versucht werden, die Keime frühzeitig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen.

Multiresistente Krankenhauskeime sind in den Kliniken deutschlandweit ein wachsendes Problem. Mit einem Pilotprojekt wollen die AOK Bremen/Bremerhaven und das Rote Kreuz Krankenhaus in Bremen nun neue Wege im Kampf gegen die gefährlichen MRSA-Keime begehen.

Das Pilotprojekt der Krankenversicherung AOK und des Roten Kreuz Krankenhauses soll helfen, die Ausbreitung der resistenten Krankenhauskeime einzudämmen und das Risiko einer Infektion im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts deutlich reduzieren. Zu diesem Zweck werden AOK Versicherte, denen der Einsatz eines künstlichen Gelenks oder einer Gefäßprothese bevorsteht, fortan bereits im Vorfeld der geplanten Operation auf die MRSA-Keime getestet. Bei entsprechendem Nachweis der Erreger erhalten sie eine spezielle Beratung und Behandlung, um die Übertragung der Keime zu vermeiden und das Risiko einer Infektion zu reduzieren.

Spezielle Beratung und Behandlung soll Ausbreitung der Krankenhauskeime vermeiden
Wird bei den Patienten eine bereits bestehende Infektion festgestellt, erhalten die Betroffenen im Rahmen des Pilotprojekts ein Hygiene-Pflegeset mit speziellem Nasen-Gel, Shampoo und Desinfektionsmittel sowie eine eine ausführliche Beratung zu den Verhaltensregeln, die eine Übertragung der Keime verhindern sollen. Mit Hilfe des Pflegesets „sollen die Patienten selber eine Woche lang die Keime von der Haut entfernen“, erklärte der ärztliche Geschäftsführer des Roten Kreuz Krankenhauses, Dr. Stefan Herget-Rosenthal. Die beigefügten Mundspülungen und Nasensalbe sollen dazu beitragen, die Erreger im Mund- beziehungsweise Rachenraum und auf der Nasenschleimhaut abzutöten. Auf diese Weise hoffen die Mediziner nicht nur eine Verbreitung der Erreger in der Klinik zu vermeiden, sondern auch das Eindringen der Keime in den Organismus während der Operation zu verhindern. Denn die Keime bleiben laut Aussage von Dr. Herget-Rosenthal häufig an den eingesetzten Prothesen haften, was zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Da Antibiotika bei den resistenten Krankenhauskeimen keine Wirkung zeigen, wird in der Regel eine Entfernung der Prothese erforderlich. Für die Patienten bedeute dies monatelanges Leiden mit offener Wunde und ohne Implantat, betonte der kaufmännische Geschäftsführer des Roten Kreuz Krankenhauses, Dr. Walter Klingelhöfer.

Pilotprojekt zu Krankenhauskeimen vorerst auf ein Jahr begrenzt
Den Angaben der Initiatoren zufolge ist das Pilotprojekt zunächst auf ein Jahr befristet, um zu überprüfen, ob sich auf diesem Wege die Zahl der Krankenhausinfektionen reduzieren lässt. Nach einjähriger Pilotphase soll ermittelt werden, bei wie vielen Patienten tatsächlich entsprechende Keime nachgewiesen wurden und wie die Akzeptanz des Projekt bei den Patienten ausfiel. Vom Grundsatz her bestehen jedoch keinerlei Zweifel an der Notwendigkeit eines verstärkten Vorgehens gegen die Ausbreitung der gefährlichen Krankenhauskeime. Denn zahlreiche Patienten sind angesichts der häufigen Berichte über resistente Erreger in den Kliniken spürbar verunsichert. So betonte auch der Vorstandsvorsitzende der AOK Bremen/Bremerhaven, Norbert Kaufhold, dass die AOK mit dem Projekt „die Möglichkeiten nutzen“ möchte, ihre „Versicherten vor unnötigen Risiken zu schützen“ und auf diese Weise die Ängste vor einem Krankenhausaufenthalt zu reduzieren. Der Referatsleiter im Bremer Gesundheitsressort, Dr. Martin Götz, zeigte sich von dme Ansatz des Pilotprojekts überzeugt und geht davon aus, dass dies „eine Sogwirkung für andere Bundesländer und Kassen“ entfalten werde.

Jährlich mehr als eine halbe Millionen Krankenhausinfektionen in Deutschland
Jährlich sterben nach gemeinsamer Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) und dem Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) aus dem vergangenen Jahr rund 30.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Infektionen mit den sogenannten Krankenhauskeimen. Insgesamt erleiden hierzulande laut Aussage der Experten zwischen 500.000 und 900.000 Menschen jährlich eine entsprechende Infektion im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts. Die Erreger weisen Resistenzen gegen gängige Antibiotika auf und können daher kaum beziehungsweise nur äußerst schwierig behandelt werden. In den Kliniken führen häufig der unangemessene Einsatz von Antibiotika und die Vernachlässigung der Hygienevorschriften dazu, dass sich resistente Erreger bilden beziehungsweise ausbreiten können. Das Immunsystem der ohnehin geschwächten Krankenhauspatienten hat den Keimen oft wenig entgegenzusetzen, so dass sie sich besonders leicht infizieren. (fp)

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