Ernährung

OECD-Prognose: 2020 werden drei Viertel aller US-Amerikaner fettleibig sein

Die Zahl der Übergewichtigen wird in den USA in den kommenden Jahren dramatisch ansteigen. Der Grund: Damit sich die Amerikaner das Essen überhaupt noch leisten können, kaufen sie vermehrt minderwertige Lebensmittel.

Mit einer Fettleibigkeitsrate von 33,8 % (Stand 2008) sind die Amerikaner Spitzenreiter im Vergleich mit den restlichen 33 OECD-Ländern. Die durchschnittliche Rate aller OECD-Länder liegt mit 16,9 % genau bei der Hälfte.

Das hat Folgen nicht nur gesundheitlicher, sondern damit gleichzeitig auch finanzieller Art: 7960 US-Dollar pro Einwohner betrugen die Ausgaben für das Gesundheitssystem in den USA im Jahr 2009. Zum Vergleich: Die Norweger gaben mit 5352 US-Dollar das zweitmeiste aus, Deutschland lag mit 4218 US-Dollar pro Kopf etwa bei der Hälfte der amerikanischen Ausgaben. Berücksichtigt man dabei, dass die Amerikaner sowohl beim Rauchen als auch beim Alkoholkonsum unter dem OECD-Durchschnitt liegen, zeigt sich die Größe des Fettleibigkeitsproblems. Der Anteil der rauchenden Bevölkerung der OECD-Länder liegt im Durchschnitt bei 22,1 %, von den Amerikanern rauchen 16 %; sie konsumieren 8,8 Liter Alkohol pro Kopf im Jahr, der Durchschnitt liegt hier bei 9,1 Litern.

Dennoch liegt die Lebenserwartung in den USA mit 78,2 Jahren etwa ein Jahr unter dem Durchschnitt von 79,5 Jahren. Deutschland liegt mit 81,5 Jahren darüber, das gilt auch für den Alkoholkonsum mit 9,7 Litern im Jahr; beim Tabakkonsum liegen die Deutschen mit einem Raucheranteil von 21,9 % knapp unter dem Durchschnitt.

Ein weiterer Indikator für die Auswirkungen der Fettleibigkeit sind die Zahlen der Tode durch Herzinfarkt: Der Durchschnitt in den OECD-Ländern liegt hier bei 117 pro 100.000 Einwohner, in den USA sind es 129. In Ländern wie Japan und Korea liegt diese Rate sogar unter 40.

Der Finanzblog zerohedge.com vermutet als Ursache den Konsum von ungesundem, „typisch“ amerikanischen Essen sowie die vergleichsweise niedrigen Lebensmittelpreise in den USA: „[Die Restaurantkette] IHOP serviert fluffige Pfannkuchen, gefüllt mit Stückchen von Käsekuchen, die in Schlagsahne ertrinken und mit Puderzucker bedeckt sind (New York Cheesecake Pancakes). Davon abgesehen kosten sie gerade mal vier Dollar.“

Etwa 8 % der Ausgaben von Privathaushalten in den USA entfallen auf Lebensmittel. Das ist recht wenig, betrachtet man Zahlen von ökonomisch etwa gleich starken Lädern wie Kanada (17 %), Australien (17 %) oder Italien (16 %).

Die wichtigste Rolle im Kampf gegen die Fettleibigkeit spielt nach Ansicht von zerohedge die Regierung: „Wenn man einem von fünf Haushalten Geld für Lebensmittel [in Form von Marken, Amn. d. Red.] gibt und wenn ein Drittel aller Kinder an einer bekanntermaßen gehaltlosen und staatlich subventionierten Schulspeisung teilnimmt, dann besteht in der Tat eine moralische Verantwortung.“

Ansätze, etwa eine geplante Abgabe auf zuckerhaltige Getränke (siehe hier), sind bislang jedoch größtenteils gescheitert.

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  1. 6-jährige Jungen nehmen in Deutschland über den Zuckergehalt in Limonaden 5 kg Zucker/ Jahr zu sich; im Alter von 15-17 Jahren sind es bereits 30 kg (ERnährungsmodul des Kinder- und JUgend-Gesundheitssurveys, 2007).
    Sind Sie auch gegen den Verkauf von zuckergesüßten Getränken an Schulen?
    Dann freuen wir uns (bis zu den Sommerferein 2012) über Ihre Unterschrift bei unserer Petition:
    http://www.petitiononline.de/petition/schulfrei-fuer-zuckerhaltige-getraenke/887
    Dr. S. Gerlach, diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe