Kriminalität

Korruption: Bundesweite Ermittlungen gegen Ärzte und Pharmaunternehmen

In mehreren Bundesländern ermitteln die Staatsanwaltschaften gegen zahlreiche Krebsärzte und Arzneimittelhersteller wegen des Verdachts auf Korruption. Die Mediziner sollen teilweise bis zu einer halben Million Euro von Pharmafirmen erhalten haben, wenn sie deren Medikamente bevorzugt verschrieben.

In der ganzen Republik wird nun gegen Ärzte, Pharmafirmen und Apotheker ermittelt, die über Jahre hinweg bestochen haben beziehungsweise sich haben bestechen lassen. Das Patientenwohl und ein fairer Wettbewerb geraten dabei ins Hintertreffen.

Jahrelang sind Gelder von den Pharmakonzernen in die Hände von Ärzten geflossen. Nun ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften wegen Korruption. (Foto: flickr/kbrookes)

Jahrelang sind Gelder von den Pharmakonzernen in die Hände von Ärzten geflossen. Nun ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften wegen Korruption. (Foto: flickr/kbrookes)

Bei der Staatsanwaltschaft Dresden steht das Leipziger Pharmaunternehmen Oncosachs im Mittelpunkt der Ermittlungen, wie „Der Spiegel“ berichtet. Mehrere hundert Euro pro Patient sollen die behandelnden Ärzte erhalten haben, wenn sie die Präparate von Oncosachs bevorzugten.

Im Visier sind auch 47 Onkologen geraten, die von Oncosachs bis 2008 „Mietzuschüsse“ erhalten haben sollen. Weitere Gelder sollen in sogenannte „Scheinstudien“geflossen sein, in denen die Ergebnisse zugunsten von Oncosachs geschönt wurden. Dabei habe ein Arzt zwischen 2005 und 2011 mehr als 500.000 Euro kassiert.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Geschäftsführer von Ribosepharm, die Krebssparte des Pharmaunternehmens Hikma. Über eine zwischengeschaltete Firma habe Ribosepharm bundesweit Krebsärzten ihre Praxis-Homepages finanziert. Den Ermittlungen zugrunde liegt eine 440 Seiten starke Strafanzeige der AOK Niedersachsen.

In Hamburg geht die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen Zyo Pharma vor, das hohe Summen, getarnt Beraterhonorare im Zuge sogenannter „Wissenschaftlicher Kooperationsvereinbarungen“, an Krebsärzte gezahlt haben soll. Eine Mitarbeiterin von Zyo Pharma, die sich als Zeugin zu Verfügung stellen wollte, soll vom Geschäftsführer bedroht worden sein. Er habe in einem Brief geschrieben: „Dein Ende ist nahe.“

Ein Apotheker und ein Krebsarzt sind von der Staatsanwaltschaft Erfurt wegen Bestechung respektive Bestechlichkeit angeklagt worden. Der Arzt soll für das Weiterreichen von Chemotherapierezepten vom Apotheker geldwerte Vorteile über mehrere hunderttausend Euro erhalten haben. Die Herstellung von Präparaten für die Chemotherapie ist ein lukratives Geschäft für Apotheker, bei dem sie enorm hohe Margen für sich beanspruchen können.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim wiederum hat drei Pharmaunternehmen ins Visier genommen, die in mehreren hundert Fällen in Deutschland nicht zugelassene Krebsmedikamente aus Argentinien importiert haben sollen.

Kommentare

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  1. es wird auch mal Zeit, dass hier endlich mal etwas in Gange kommt.
    Diese Mafia Struktur in Deutschland ist schon so stark und nicht mehr überschaubar.
    Aber leider ist unser ganzes Gesundheitssystem so korrupt, selbst in den Gesundheitsministerien sitzen die Berater der Pharmaindustrie.
    Auch die BZÄK ist dort sehr stark vetreten und beeinflußt die ganzen Gesundheitsausschüsse.
    Sie agiert sogar gegen die EU-Abgeordneten
    Aber auch hier unternimmt die Bundesregierung nichts, obwohl sie die Unterlagen schwarz auf weis vorliegen hat, dass hier massiv von der BZÄK Einfluss genommen wird.

  2. Ich bin auch der Meinung, dass unsere Regierungsmitglieder im Gesundheitswesen auf beiden Augen blind sind, weil man solche Zustände nicht sehen will.
    Ausbaden müssen es die Patienten und die Ärzte, denen Anstand und Ehrenhaftigkeit noch etwas wert sind.
    Schon der ehemalige Gesundheitsminister hat bestätigt welchen Einfluss die Pharmalobby die letzten Jahrzehnte hat.
    http://www.youtube.com/watch?v=1BtjbGzf11A

    Ganz schlimm sind die korrupten Zustände wenn es um das Thema Amalgam geht.
    Die zahnärztlichen Standesorganisationen und das BfArM vertuschen seit Jahrzehnten die Gefährlichkeit dieses Zahnfüllstoffes.
    Erst die letzten Jahre, seit Umweltverbände wegen hoher Quecksilberemissionen auf ein Verbot von Quecksilber drängen, wird auch hier das Ausmaß bekannt.