Krankenkassen

TK-Chef Klusen will „starre Grenzen“ zwischen privaten und gesetzlichen Kassen öffnen

Die Trennung der Krankenversicherung in gesetzliche (GKV) und private (PKV) ist obsolet, meint der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen. Ein von der TK in Auftrag gegebenes Gutachten soll Perspektiven für eine Reform des Krankenkassenmarktes aufzeigen. Ziele sind eine höhere Effizienz, mehr Freiheit für die Versicherten und langfristig ein gesamteuropäischer Krankenkassenmarkt.

„Meine Vorstellung ist: Langfristig muss der Unterschied zwischen Privatpatient und Kassenpatient verschwinden“, sagte Klusen der „Financial Times Deutschland“. Da die Debatten über die Zukunft der gesetzlichen Krankenkassen und ihr Verhältnis zur PKV bislang ideologisch motiviert gewesen seien, möchte die TK mit dem Gutachten eine „fachliche Grundlage“ liefern. Ziel sei es, die Diskussion „zu versachlichen und zugleich zu beleben“.

Das Gutachten, das von Wirtschaftswissenschaftlern unter der Leitung des Mannheimer Professors Eberhard Wille erstellt wurde, hat untersucht, „inwieweit eine privatrechtliche Organisation der gesetzlichen Krankenkassen einen Beitrag für mehr Wettbewerb, Effizienz der Versorgung und Wahlfreiheit der Bürger zu leisten vermag“.

Eine grundlegende Reform des Krankenkassenmarktes soll Vorteile für alle Beteiligten bringen. Die TK hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben (Foto: Techniker Krankenkasse)

Eine grundlegende Reform des Krankenkassenmarktes soll Vorteile für alle Beteiligten bringen. Die TK hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben (Foto: Techniker Krankenkasse)

Dabei soll es nicht darum gehen, die „bestehenden sozialen Elemente bzw. distributiven Effekte“ abzubauen. Vielmehr soll durch eine Öffnung der bislang strikt separierten Märkte für die jeweils andere Versicherungsform ein intensiverer Wettbewerb erreicht werden. Das würde den Versicherten beispielsweise ermöglichen, zukünftig Voll- und Zusatzversicherung „aus einer Hand“ zu erhalten.

Um dies zu erreichen schlagen die Gutachter vor, die gesetzlichen Krankenkassen in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Als Unternehmen mit einer privatrechtlichen Struktur hätten die Krankenkassen Zugang zu den Kapital-, Rückversicherungs- und Risikomärkten. Gerade für die kleineren Kassen sehen die Gutachter den Rückversicherungsschutz als „überlebenswichtige Absicherung im Wettbewerb“ an.

Ebenfalls bietet sich eine Umwandlung der Kassen in Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) an. VVaGs weisen eine ähnliche Struktur auf wie Körperschaften öffentlichen Rechts auf und müssen keine Gewinne an Aktionäre ausschütten. Ihr Nachteil wäre, dass sie im Vergleich zu AGs einen schwereren Zugang zum Kapitalmarkt hätten.

Untermauert wird das Gutachten mit einem Verweis auf das Gesundheitssystem der Niederlande, das 2006 erfolgreich reformiert wurde: „Die Systemänderung von 2006 legt die Verantwortung für das Gesundheitswesens in die Hände der Bürger, die selbst die Regie über ihr Leben behalten möchten […] und in die Hände von privaten Versicherungsgesellschaften, die in Bezug auf Service, Qualität und Preis im Wettbewerb stehen, aber einigen strikten sozialen Rahmenbedingungen unterliegen, die Gewinne aufgrund von Risikoselektion ausschließen.“

In einem Ausblick hoffen die Autoren des Gutachtens, dass sich andere europäische Länder am niederländischen Modell orientieren. So „könnte in diesem Jahrhundert innerhalb der Europäischen Union ein interner Markt sozialer Krankenversicherungen entstehen“.

Kommentare

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  1. Erfolg in den Niederlanden?

    Wieso lassen sich die Niederländer dann in Deutschland behandeln? Im eigenen Land habe sie unerträglich lange Wartezeiten.

    Erfolg ist was anderes

  2. ich finde alle auch die Reichen sollten in die gesetzliche Krankenkasse einbezahlen.
    Wenn dann jemand doch mehr Leistung wie Chefarzt usw. möchte sollte dieses in einer privaten Zusatzform gewählt werden können.
    So gäbe es auch eine größere Gerechtigkeit für unser Gesundheitssystem.