Krankenhäuser

Fresenius will Rhön übernehmen: Deutscher Klinik-Riese entsteht

Mit der Akquisition der Rhön-Kliniken durch Fresenius könnte einer der größten deutschen Klinikbetreiber entstehen. Der Rating-Agentur Fitch bereitet der hohe Grad der Fremdfinanzierung des Kaufpreises von 3 Milliarden Euro Sorgen. Investoren verweisen allerdings darauf, dass Fresenius schon in der Vergangenheit erfolgreich Unternehmen integriert habe.

Der Klinikbetreiber Fresenius hat am Donnerstag die Übernahme der Rhön-Klinikum AG angekündigt. Fresenius wird den Aktionären der Rhön-Klinikum AG ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. Fresenius bietet den Aktionären der Rhön-Klinikum AG 22,50 € pro Aktie in bar an. 87,5% aller Aktien der Rhön AG befinden sich im Streubesitz.

Sollte die Übernahme gelingen, entsteht der größte private Klinikbetreiber in Deutschland. Nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden von Fresenius, Ulf Schneider, werde nach der Verschmelzung der Rhön Kliniken und der von Fresenius betriebenen Helios Kliniken 75% der deutschen Bevölkerung eine Klinik des Unternehmens innerhalb einer Stunde erreichen können.

Mit dem neuen Unternehmen erreicht Fresenius etwa einen Marktanteil von 8% am deutschen Gesundheitsmarkt. Damit wird Fresenius zu einem bedeutenden Faktor in der Kliniklandschaft. Es wird erwartet, dass das Kartellamt den Deal genehmigt. Allerdings geht auch Fresenius davon aus, dass einzelne Kliniken aus Wettbewerbsgründen verkauft werden müssen.

Schneider zur Strategie der Übernahme: „Der geplante Erwerb der Rhön-Klinikum AG ist ein bedeutender Schritt im weiteren Ausbau unseres Krankenhausgeschäfts. Zum Nutzen unserer Patienten werden wir die Stärken der Rhön-Klinikum AG und von Helios bündeln und neue zukunftsweisende Wege in der Gesundheitsversorgung gehen.”

Investoren begrüßten die Übernahme grundsätzlich, weil Fresenius bei bisherigen Übernahmen bewiesen habe, dass zugekaufte Unternehmen erfolgreich integriert werden können. In den vergangenen Jahren hatte Fresenius mehrere Unternehmen im Gesamtwert von 5,7 Milliarden Euro gekauft.

Kritisch äußerte sich die Ratingagentur Fitch, die zwar das Rating BB+ bestätigte, jedoch darauf hinwies, dass der Kaufpreis von insgesamt 3,1 Milliarden Euro zu 75% fremdfinanziert sei. Fresenius teilte zur Finanzierung mit: „Es ist geplant, die Akquisition über einen syndizierten Kredit sowie eine Anleihe und darüber hinaus über Eigenkapitalinstrumente in Höhe von bis zu 1 Mrd € zu finanzieren. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat uns mitgeteilt, dass sie eine Beteiligung an den beabsichtigten Eigenkapitalmaßnahmen im Umfang eines hohen zweistelligen Millionenbetrags anstrebt. Eine Finanzierung durch Aktien von Fresenius Medical Care ist ausgeschlossen. Die gesamte Finanzierung ist durch entsprechende Zusagen der Deutschen Bank, J.P. Morgan, Société Générale, Credit Suisse und UniCredit abgesichert.“

Auch die Verschuldung will Fresenius im Griff behalten: „Der Verschuldungsgrad (Nettofinanzverbindlichkeiten/EBITDA) soll im Jahr 2012* vorübergehend über 3,0, aber unter 3,5, und im Jahr 2013 bereits wieder am oberen Ende unseres Zielkorridors von 2,5 bis 3,0 liegen.“

Das Rhön-Management will das Angebot zunächst prüfen und womöglich auch andere Strategien erörtern, bevor es eine Empfehlung für die Anleger ausspricht. Rhön-Gründer und Großaktionär Eugen Münch erklärte dagegen bereits, dass er die Pläne unterstütze und sein Aktienpaket in Höhe von 12,5 Prozent des Kapitals verkaufen werde.

Weil die Rhön-Satzung vorsieht, dass für satzungsändernde Beschlüsse und Kapitalmaßnahmen eine Mehrheit von mehr als 90 Prozent der Stimmen nötig ist, könnte die Übernahme noch einmal spannend werden: Dann nämlich, wenn sich ein Konkurrent oder Hedge Fonds für das Thema interessieren und 10% bei Rhön kaufen. Dadurch könnten sie die Übernahme blockieren.
Die Gewerkschaften reagierten kritisch auf die Pläne von Fresenius. „Aus gesellschaftlicher Sicht kann es nicht in unseren Interesse sein, die Renditen von gewinnorientierten Konzernen hoch zu treiben“, sagte der Geschäftsführer des Interessenverband kommunaler Kliniken, Uwe Alschner, der Frankfurter Rundschau. „Wir haben nun Diskussionsbedarf, der weit über diesen Tag hinausgeht.“ Alschner befürchtet, dass der Konzern kommunale Krankenhäuser mit strategischen Angeboten unter Druck setzen könnte.

Die Rhön-Klinikum AG ist einer der größten Klinikbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von 161 Millionen Euro. Zur Rhön-Klinikum AG gehören 53 Kliniken mit rund 16.000 Betten sowie 39 Medizinische Versorgungszentren. Im Jahr 2011 wurden knapp 2,3 Millionen Patienten behandelt.

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