Analyse

Unhaltbar: Jeden Montag sitzen 8 Prozent der Deutschen in einem Wartezimmer

Ärzte müssen in Netzwerken besser zusammenarbeiten. Sie können effizienter Koordinations- und Managementaufgaben übernehmen, wenn sie sich zusammenschließen, um etwa die Patienten an Fachärzte oder an den klinischen Sektor zu überweisen.

Der unabhängige Sachverständigenrat Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen schlägt eine radikale Änderung des Versorgungssystems vor. Die Experten kommen in ihrer Analyse des Gesundheitswesens zu dem Ergebnis, dass nicht neue zentralstaatliche oder bürokratische Konstruktionen die Lösung bieten, sondern dass das Gegenteil notwendig ist. Die Fachleute sprechen von einer „primärversorgenden Praxis“.
 
Dies bedeutet: Ärzte müssen in Netzwerken besser zusammenarbeiten. Sie können effizienter Hier Koordinations- und Managementaufgaben übernehmen, wenn sie sich zusammenschließen, um etwa die Patienten an Fachärzte oder an den klinischen Sektor überweisen. Eine sektorübergreifende Kooperation, auch mit Apotheken, halten die Experten für entscheidend. Dazu zählen Spezialsprechstunden mit Fachärzten oder Patientenschulungen durch Apotheker. Auch bei den Hausbesuchen könnten die Ärzte durch medizinische Fachkräfte entlastet werden.
 
Diese Ideen sind nicht neu. In vielen ärztlichen Versorgungszentren wird heute schon praktiziert, was der Sachverständigenrat fordert.
 
Eine der Ideen ist unterdessen neu: Bei einer Tagung in Potsdam schlugen die Sachverständigen vor, dass in Zukunft Apotheker, Ärzte und andere Leistungserbringer pro Versicherten ein Budget pro Patient erhalten könnten. So würde dem Unsinn Einhalt geboten, dass die Ärzte möglichst viele Patienten behandeln und möglichst viele Medikamente verschreiben müssen, um ihr Einkommen zu sichern.
 
Der Vorschlag reflektiert die deutsche Realität: Eine alternde Gesellschaft, immer mehr chronische Krankheiten oder Patienten mit mehreren Krankheiten sowie die in Deutschland überdurchschnittlich hohe Zahl von Arzt-Patienten-Kontakten machen eine neue wirtschaftliche Grundlage notwendig.
 
Momentan, so stellte der stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrates, Professor Ferdinand Gerlach fest, sitzen an einem durchschnittlichen Montag 8 Prozent der deutschen Bevölkerung in einem Wartezimmer. Dieser Zustand ist nicht finanzierbar. Und daher zeigen die Vorschläge der Professoren in die richtige Richtung.
Michael Maier

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