Politik

Deutscher Ethikrat: Massen-Gentests zur prädiktiven Diagnostik nicht sinnvoll

Die Gensequenzierung wird immer preiswerter und macht einen massenhaften Einsatz möglich. Wie das medizinisch zu nutzen sein könnte und ob es möglich ist, Volkskrankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorherzusagen, hat die Bundesregierung den Deutschen Ethikrat diskutieren lassen.

Am 3. Mai fand in Berlin eine öffentliche Anhörung zum Thema „Möglichkeiten und Grenzen prädiktiver genetischer Diagnostik multifaktorieller Erkrankungen“ statt. Geladen waren sieben Experten aus verschiedenen Bereichen der Medizin, der Arzneimittelherstellung und Bioinformatik.

Die Frage, inwieweit genetische Analysen in der klinischen Praxis für die Ermittlung der Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung eingesetzt werden können, wurde von den Diskussionsteilnehmern im Grundsatz einhellig beantwortet: Man erfahre zwar immer mehr über die Beteiligung vieler Genvarianten an Krankheitsrisiken, doch seien die Einflüsse relativ gering. Zu viele andere Faktoren wie Umwelteinflüsse oder das Zusammenspiel der Genvarianten kämen hinzu. Die Experten halten daher einen massenhaften Einsatz von Gentests zur Vorhersage und Früherkennung von Krankheiten für wenig sinnvoll.

In Fällen, in denen einzelne oder nur wenige Genvarianten das Krankheitsrisiko beeinflussen, kann eine Vorhersage durch Gentests allerdings durchaus sinnvoll sein. Das gilt etwa für Alzheimer und die Mutation des Insulinrezeptor-Gens bei Diabetes. Außerdem erwarte man Fortschritte im Einsatz von Biomarkern, mit deren Hilfe man Erkenntnisse über die Aktivität bestimmter Gene gewinnen kann. Dies sein eine bessere Möglichkeit der Krankheitsvorhersage als der bloße Blick auf die Gen-Ausstattung.

Die größte Hoffnung setzen die Experten in die Pharmakogenetik: Die Analyse des Einflusses von Genvarianten auf die Wirkung von Arzneimitteln kann es möglich machen, in Zukunft die Auswahl und Dosierung von Medikamenten individuell an Patienten anzupassen. Nachdem nun aber vor Kurzem die Übernahme des Gentechnik-Spezialisten Illumina durch den Pharmakonzern Roche gescheitert ist, dürfte es noch etwas dauern, bis das volle Potential menschlichen Wissens in Sachen Pharmakogenetik ausgeschöpft werden kann.

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