Forschung

Heimliche Gefahr: Herzschwäche bei Diabetes

Mehr als drei Viertel aller Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 sterben an Herz-Kreislauferkrankungen, vor allem am Herzinfarkt. Etwa die Hälfte aller Diabetiker leidet an Herzschwäche. Eine Herzinsuffizienz wird bei ihnen häufig zu spät erkannt, da viele Patienten zu Beginn der Erkrankung keine Beschwerden verspüren. Herzkranke Menschen mit Diabetes haben daher eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als herzgesunde.

Die Therapie der Herzinsuffizienz bei Diabetikern ist eines der Themen, über die Experten beim Diabetes Kongress 2012, der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, vom 16. bis 19. Mai 2012 in Stuttgart diskutieren.

Männer mit Diabetes Typ 2 haben ein fast zweieinhalbfach höheres und Diabetikerinnen ein gut fünffach erhöhtes Risiko, an einer Herzinsuffizienz zu erkranken. Mit einer Überlebensprognose von im Schnitt 3,6 Jahren gegenüber etwa 5,4 Jahren von herzschwachen Patienten ohne Diabetes ist sie eine gefährliche Begleiterkrankung der Zuckerkrankheit. Zu viel Zucker, Fett und Produkte aus dem Zuckerstoffwechsel sowie oxidativer Stress schädigen das Herz von Menschen mit Diabetes. Die Herzmuskelzellen können dadurch absterben oder sich in funktionsloses Bindegewebe umwandeln. Der Lebensmotor verliert so an Beweglichkeit, Elastizität und Kraft. In der Folge kann sich die linke Herzkammer nicht mehr ausreichend dehnen und das frisch mit Sauerstoff angereicherte Blut aus der Lunge vollständig aufnehmen. Diese sogenannte diastolische Herzinsuffizienz (HFPEF) wird unter dem Krankheitsbild der „diabetischen Kardiomyopathie“ zusammengefasst. „Diese diabetische Kardiomyopathie tritt im Durchschnitt schon nach etwa vier Jahren Zuckerkrankheit auf und bildet den Ausgangspunkt der Herzschwäche“, erläutert Professor Dr. med. Nikolaus Marx, Direktor der Medizinischen Klinik I an der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen.

Im nächsten Stadium, der systolischen Herzinsuffizienz (HFREF), wirft die geschädigte linke Herzkammer beim rhythmischen Zusammenziehen, das der Entspannungs- und Füllphase des Herzens folgt, nicht mehr genug Blut in den Körperkreislauf aus. Dadurch wird das Blut in die Lunge zurückgestaut. Atemnot tritt auf. Weil die Organe nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden, sind Betroffene schnell erschöpft. Im weiteren Verlauf lässt die Pumpleistung des Herzens weiter nach, Symptome wie chronischer Husten, geschwollene Beine und Wassereinlagerungen kommen hinzu. Die Lebensqualität der Patienten ist stark eingeschränkt, kleinste Anstrengungen können zur Qual werden.
„Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 sollte deshalb stets frühzeitig auch nach einer diastolischen Funktionsstörung gesucht werden“, fordert Marx. Bereits im frühen Stadium könne die Herzschwäche mit einfachen Untersuchungen wie Ultraschall und EKG erkannt werden. Leider werde diese Chance oft verpasst, da viele Patienten zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome verspüren und deshalb keinen Arzt aufsuchen. Zudem seien nur wenige Ärzte gleichzeitig auf Diabetes und Kardiologie spezialisiert.

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