Gesundheitswirtschaft

Kosten für Krankenhäuser steigen, Boom bei Einkaufsgemeinschaften

Die Ausgaben im Gesundheitsbereich sind in den letzten Jahren in Deutschland stark gestiegen. Beliefen sich die Ausgaben im Jahr 2000 auf rund 212 Milliarden Euro, so waren es 2010 bereits 284 Milliarden Euro. Davon entfallen 73 Milliarden Euro auf die stationäre Versorgung in Krankenhäusern. Vor diesem Hintergrund werden Einkaufsgemeinschaften immer wichtiger, denn sie helfen, die Sachkosten in den Krankenhäusern um bis zu 15 Prozent zu reduzieren.

Wenn Krankenhäuser ihren Bedarf von Einkaufgesellschaften einkaufen lassen, können sie ihre Ausgaben enorm senken. (Foto: flickr/Marshall Segal)

Wenn Krankenhäuser ihren Bedarf von Einkaufgesellschaften einkaufen lassen, können sie ihre Ausgaben enorm senken. (Foto: flickr/Marshall Segal)

Dabei sind über 40 Prozent der Krankenhausausgaben auf Sachkosten zurückzuführen. Um ihre Attraktivität zu steigern, werden Einkaufsgemeinschaften außerdem in Zukunft auf ein breiteres Serviceangebot setzen müssen. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Sachkostenentwicklung und Bedeutung von Einkaufsgesellschaften im Krankenhausumfeld“ von Roland Berger Strategy Consultants.

„Deutsche Krankenhäuser sind seit Jahren mit steigenden Kosten konfrontiert. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen“, sagt Oliver Rong, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. „Denn der demographische Wandel und politische Regulierungen treiben die Sachkosten der Krankenhäuser weiter in die Höhe.“ So gehen die Roland-Berger-Experten davon aus, dass die Sachkosten von rund 39 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf über 50 Milliarden Euro im Jahr 2016 ansteigen werden. Um Kosten zu sparen, gewinnen Einkaufsgesellschaften daher zunehmend an Bedeutung.

Seit dem Jahr 2000 sind die Sachkosten in deutschen Krankenhäusern durchschnittlich um 5,7 Prozent jährlich gestiegen. Ebenfalls nahm der Anteil der Sachkosten an den Gesamtkosten der Krankenhäuser deutlich zu, von 31 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell 42 Prozent. „Angesichts der steigenden Kosten müssen Krankenhäuser Wege finden, ihre Ausgaben zu senken und möglichst kostengünstig einzukaufen“, erklärt Zun-Gon Kim, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Einkaufsgesellschaften bieten Krankenhäusern genau diese Möglichkeit: Sie bündeln den Produktbedarf vieler Krankenhäuser und erzielen dadurch niedrigere Kosten. Denn anders als einzelne Krankenhäuser haben Einkaufsgemeinschaften eine größere Verhandlungsmacht gegenüber ihren Lieferanten. So nimmt das Einkaufsvolumen, das Krankenhäuser über Einkaufsgesellschaften beziehen, schon seit Jahren stetig zu. Wurden im Jahr 2000 nur rund 20 Prozent der Sachkosten über Einkaufsgesellschaften abgewickelt, so sind es aktuell schon 42 Prozent. Die Roland-Berger-Experten gehen davon aus, dass dieser Anteil im Jahr 2012 auf knapp 50 Prozent steigen wird.

Bei den Einkaufsgemeinschaften lassen sich je nach Organisationsgrad vier Typen unterscheiden: lose Einkaufskooperationen, unverbindliche und verbindliche Einkaufsgesellschaften sowie Krankenhausgruppen. Während sich Einkaufsgemeinschaften in der Vergangenheit darauf beschränkt haben, Einkäufe zu bündeln und die Sachkostenpreise zu senken, erwarten die Experten nun, dass sie in Zukunft eine breitere Produktpalette abdecken und zusätzliche Serviceleistungen anbieten werden. „Auf dem Markt erkennen wir einen deutlichen Trend: Einkaufsgemeinschaften möchten durch umfangreiche Services einen Mehrwert für ihre Kunden schaffen“, erklärt Oliver Rong.

So bieten Einkaufsgesellschaften immer öfter zusätzliche Leistungen: Sie straffen das Sortiment, beraten Kliniken bei Produktumstellungen und übernehmen für sie Logistikdienstleistungen. „Durch zusätzliche Servicedienstleistungen können Einkaufsgemeinschaften nicht nur ihre Attraktivität bei Industrie und Kliniken, sondern auch ihre eigene Profitabilität steigern“, sagt Zun-Gon Kim.

Auch der Schweizer und der österreichische Markt bieten großes Potential für Einkaufsgesellschaften. Denn in Österreich wachsen die Gesundheitsausgaben um 4,4 Prozent jährlich und in der Schweiz um 3,5 Prozent. Allerdings unterscheidet sich die Lage der Einkaufsgesellschaften in beiden Ländern erheblich: Während Einkaufsgesellschaften in der Schweiz mit einer Marktdurchdringung von ca. 38 Prozent bereits gut vertreten sind, stehen ihnen strenge Regelungen bei der Auftragsvergabe in Österreich im Weg. Hier decken sie aktuell rund 34 Prozent des Marktes ab.

Doch steigende Kosten sowie anstehende Gesundheitsreformen erhöhen den Druck auf Krankenhäuser, ihre Kosten in Grenzen zu halten. „Mittelfristig gehen wir deshalb davon aus, dass sich die Schweiz und Österreich ähnlich entwickeln werden wie der deutsche Markt. Und auch dort werden Einkaufsgesellschaften in den nächsten Jahren sicherlich wichtiger werden“, prognostiziert Rong.

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