Gerechtigkeit

Laboruntersuchungen: Kassenpatienten werden systematisch benachteiligt

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hat ermittelt, dass im Zeitraum 2007/2008 die Laborkosten pro Patient in der GKV 26 Euro betrugen, und damit gerade mal ein Fünftel der Kosten für Privatpatienten, die durchschnittlich 129 Euro betrugen.

Es ist bekannt, dass für Versicherte einer privaten Krankenversicherung (PKV) häufiger Laboranforderungen gestellt werden, als für die Kunden einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV). Das Problem ist nun aber nicht, dass Ärzte aus einem „ökonomischen Anreiz“ mehr Laborleistung für Privatpatienten in Anspruch nehmen, wie es die privaten Krankenkassen darstellen. Vielmehr wird für GKV-Patienten zu wenig Geld ausgegeben. Dieser Meinung ist Dr. Dr. Fritz-Georg Staber, Gründer des Großlabors Dr. Staber und Kollegen, wie die Ärzte Zeitung berichtet.

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hat ermittelt, dass im Zeitraum 2007/2008 die Laborkosten pro Patient in der GKV 26 Euro betrugen, und damit gerade mal ein Fünftel der Kosten für Privatpatienten, die durchschnittlich 129 Euro betrugen. Das WIP sieht die Gründe hierfür unter anderem in einer „Mengenausweitung“.

Zwei Drittel aller Anforderungen im Basislabor kommen von Privatpatienten. Betrachtet man die Versichertenzahlen, sollten es nur zehn Prozent sein. (Foto: flickr/wcn247)

Zwei Drittel aller Anforderungen im Basislabor kommen von Privatpatienten. Betrachtet man die Versichertenzahlen, sollten es nur zehn Prozent sein. (Foto: flickr/wcn247)

Laut Staber bleibe aber unberücksichtigt, das hier unterschiedliche Berechnungen zugrunde liegen: So werden Untersuchungen im Basislabor in der „Gebührenordnung für Ärzte“ (GOÄ), mit der Leitungen für Privatpatienten abgerechnet werden, fünfmal höher bewertet als im EBM, dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab zur Abrechnung von gesetzlichen Leistungen.

Da Staber zufolge „die meisten Laboranforderungen nun mal Basislabor sind“, müsse man für einen objektiven Vergleich nicht die Kosten, sondern die Zahl der Laboranforderungen vergleichen. Bei einer typischen Verteilung von zehn Prozent privat- und und 90 Prozent gesetzlich versicherten Patienten in einer Arztpraxis habe er angenommen, dass sich die Laboranforderungen im gleichen Verhältnis auf die Versichertengruppen verteilen.

Zu Stabers Überraschung hat sich aber herausgestellt, dass bei 15 Beispielpraxen im Schnitt 35 Prozent der Anforderungen von GKV-Patienten kommen, ganze 65 Prozent dagegen von Privatpatienten. Da es in seinem Labor keine sogenannten „Kickbacks“ gebe, also keine unzulässigen Zuweisungen gegen Entgelt, könne er davon ausgehen, dass die Ärzte nur „das anfordern, was sie für medizinisch sinnvoll und erforderlich halten, nicht mehr und nicht weniger.“

Seine Schlussfolgerung: „Es gibt also faktisch bei Kassenpatienten eine Rationierung der Laborversorgung.“ Schuld daran ist seiner Meinung nach die EBM-Ziffer 32001, die Ärzte bestrafe, wenn sie ihr Laborbudget überschritten. An den Pranger seien nicht die Ärzte zu stellen, sondern diejenigen, „die sich dieses perfide und unethische System ausgedacht haben“, so Staber. Er will aber „nicht ausschließen, dass bei Selbstzuweisern unnötige Laboruntersuchungen gemacht werden.“

Staber fordert, in der GOÄ verbindliche Regelungen geschaffen werden, die die Selbstzuweisung unterbinden. Die GOÄ-Bewertung des Basislabors könne etwas nach unten angepasst werden, allerdings nicht auf das objektiv zu niedrige Niveau der EBM-Bewertung.

Kommentare

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  1. Leider ist es doch so, dass in Deutschland der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA festlegt was Kassenleistung ist und was nicht.
    So werden von der Privaten KV viele hochwertige Laboruntersuchungen übernommen und anerkannt. Aber die GKV erkennt dann selbst die Ergebnisse der Privat bezahlten Laboruntersuchungen nicht an.
    Hier ist klar und deutlich einen Zweiklassen Medizin des G-BA und der GKV auf Kosten der Gesundheit von Kassenpatien zu erkennen.