Medikamentenmissbrauch

Konsum von Neuroenhancern nur gering verbreitet

Etwa 1,5 Prozent der Deutschen steigern ihre Leistung durch Medikamente oder Drogen. Frauen sind dafür stärker anfällig als Männer.

Passend zum Weltdrogentag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Studie veröffentlicht, die die Verbreitung von leistungssteigernden Substanzen in der deutschen Bevölkerung untersucht hat. Die Studie zum „Konsum leistungsbeeinflussender Mittel in Alltag und Freizeit“ (KOLIBRI) hat im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums im Jahr 2010 insgesamt 6.142 Personen im Alter von 19 bis 97 Jahren zu ihrem Umgang mit entsprechenden Präparaten und zur Art und Häufigkeit ihrer Sportausführung befragt.

Zu den entsprechenden Präparaten zählen die Autoren der Studie alle Mittel, die geeignet sind, die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Das betrifft also sowohl frei erhältliche Mittel wie pflanzliche Mittel zum Muskelaufbau, Kreatin, Sättigungsmittel oder Taurin als auch verschreibungspflichtige Medikamente. Zu letzteren werden beispielsweise Beruhigungs- oder Schlafmittel, potenzsteigernde Mittel oder rezeptpflichtige Schmerzmittel gezählt, wenn sie ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen werden.

Ein Amphetaminmolekül: Illegale Substanzen wie Amphetamine gehören nach Antidepressiva zu den beliebtesten Neuroenhancern. (Foto: Wikipedia)

Ein Amphetaminmolekül: Illegale Substanzen wie Amphetamine gehören nach Antidepressiva zu den beliebtesten Neuroenhancern. (Foto: Wikipedia)

Außerdem kommen noch Substanzen hinzu, die von der World Anti-Doping Agency (WADA) mit einem Verbot im Zusammenhang mit Sport belegt wurden, so zum Beispiel Anabolika, Betablocker oder Wachstumshormone. Nach der Einnahme von illegalen Substanzen (z. B. Amphetaminen) wurde ebenfalls gefragt.

Interessant sind dabei die Ergebnisse zum sogenannten „Neuroenhancement“, also zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit mithilfe von Psycho- und Neuropharmaka sowie anderen Substanzen: Mit einem Anteil von 1,5 % der erwachsenen Bevölkerung sind die Konsumenten von Neuroenhancern geringer vertreten als befürchtet. Dabei ist der Anteil der Frauen mit 1,8 % der Befragten geringfügig höher als der der Männer (1,3 %).

Die dafür verwendeten Mittel sind am häufigsten Antidepressiva (1 %), gefolgt von chemisch-synthetischen Substanzen wie Amphetaminen (0,5 %) und Betablockern (0,1 %). Wenn man sich die Altersgruppen der Konsumenten anschaut, ist zu sehen, dass mit zunehmenden Alter der Gebrauch von Neuroenhancern abnimmt: Gibt es in der Altersklasse der jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre) noch 3,1 %, die zu Neuroenhancern greifen, sind es in der Altersklasse der 30- bis 44-jährigen noch 2,7 %. In der Altersklasse der 45- bis 64-jährigen sinkt die Zahl stark auf 0,8 %. Bei den Erwachsenen mittleren Alters (30 bis 44 Jahre) ist der Frauenanteil mit 3,7 % mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern (1,8 %).

Auf der Suche nach den Ursachen für den Konsum von Neuroenhancern lässt sich eine klare Verbindung zum wöchentlichen Arbeitspensum der Befragten ziehen: 2,6 % der Männer, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, setzen Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit oder illegale Substanzen zur Leistungssteigerung ein. Bei denen ohne Arbeit oder einer Wochenarbeitszeit von unter 40 Stunden liegt der Anteil bei 0,7 %. Bei Frauen ist der Unterschied geringer: 3,1 % der Frauen, die mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten, greifen zu Neuroenhancern, arbeiten sie nicht oder bis zu 20 Stunden, beträgt der Anteil immerhin noch 1,7 %.

Die Motivation, zu Neuroenhancern zu greifen, ist meistens die „Verbesserung oder Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit“: 37,4 % der Frauen und 42,8 % der Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren geben diese Motivation an. Auch wenn die Ergebnisse der KOLIBRI-Studie nicht alarmierend sind, so zeigten sie doch, „dass das Risiko, zu Mitteln zu greifen, um die kognitiven oder sozialen Fähigkeiten zu verbessern, besonders unter Erwerbstätigen erhöht ist“. Die Autoren schlagen daher vor, Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention vorzunehmen, „die den unkritischen Konsum von leistungsbeeinflus-senden Mitteln problematisieren, Beschäftigungsverhältnisse sowie Arbeitsbedingungen verbessern und ein Gesundheitsverhalten stärken, dass ohne entsprechende Hilfsmittel auskommt“.

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