USA

US-Krankenversicherer will Amerigroup für 4,9 Mrd. Dollar

WellPoint, einer der größten Krankenversicherer der USA, möchte die Healthcare-Gruppe Amerigroup kaufen. Die Aktienkurse von Krankenversicherern werden im kommenden Jahr steigen und WellPoint würde demnach mit 4,5 Millionen Mitgliedern zum größten privaten Versorger von Medicaid-Versicherten werden.

Dank der Gesundheitsreform in den USA tut sich einiges auf dem Gesundheitsmarkt. So eröffnen sich gute Verdienstmöglichkeiten im Bereich von Medicaid, dem steuerfinanzierten Gesundheitsfürsorgeprogramm für Personen mit geringem Einkommen, Kindern, älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen. Dieses Potential hat einer der größten Krankenversicherer der USA, WellPoint, für sich entdeckt und wird die Healthcare-Gruppe Amerigroup für 4,9 Milliarden Dollar kaufen.

Durch die Gesundheitsreform werden künftig 17 Millionen Amerikaner mehr unter Medicaid fallen. Gleichzeitig wenden sich immer mehr Bundesstaaten an die Krankenversicherer, damit diese ihnen helfen, die bestehenden Fürsorgeprogramme fortzuführen und dabei die Kosten gering zu halten (managed health care). Diese beiden Aspekte hätten eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, Amerigroup zu kaufen, sagt Angela Braly, Chief Executive Officer von WellPoint. Für Medicaid geben das Land und die Bundesstaaten im Jahr 450 Milliarden Dollar aus und nur etwa ein Fünftel der Mitglieder seien in Managed-Care-Plans versichert.

Gegen Barack Obamas Gesundheitsreform gibt es viele Proteste, oft wird sie für Sozialismus gehalten. Dabei bietet sie hervorragende Möglichkeiten, Geld zu verdienen. (Foto: flickr/majunzk)

Gegen Barack Obamas Gesundheitsreform gibt es viele Proteste, oft wird sie für Sozialismus gehalten. Dabei bietet sie hervorragende Möglichkeiten, Geld zu verdienen. (Foto: flickr/majunzk)

Ein weiterer Wachstumsmarkt sind die sogenannten „dual eligibles“ (die „Zweifach-Berechtigten“). Das sind Patienten, die sowohl Medicaid als auch den einer gesetzlichen Krankenversicherung ähnlichen Service „Medicare“ nutzen müssen. Von ihnen gebe es in den USA neun Millionen, die jährliche Steuerausgaben von 300 Milliarden Dollar ausmachen. Das Geschäft mit den „dual eligibles“ sei „gewaltig und eine treibende Kraft bei dieser (Übernahme-)Transaktion“ gewesen, so Braly.

Die Entscheidung der beiden Unternehmen wird bei Börsenanalysten positiv aufgenommen: „Der Deal ist sinnvoll, denn er diversifiziert die Einnahmen von WellPoint, weg vom kommerziellen Geschäft hin zu einem stärkeren Engagement in bedeutenden Wachstumschancen von Medicaid“, so Jason Gurda, Analyst  von Leerink Swann & Co. Derzeit erwirtschafte WellPoint ein Viertel seines Umsatzes mit Gesundheitsplänen für kleine Unternehmen und Privatpersonen; Märkte, in denen die Gewinnmargen unter den neuen Regularien von Obamas Gesundheitsreform am ehesten litten, so Gurda.

Folgerichtig stiegen auch die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen: Die WellPoint-Aktie legte am Tag der Bekanntgabe um 3,4 Prozent auf 61,95 Dollar zu, Amerigroup machte sogar einen Sprung von 38 Prozent auf 88,79 Dollar. Die Entscheidung von WellPoint dürfte dem Übernahmeinteresse von anderen Versicherern einen Aufwind geben, glaubt Thomas Carroll, Analyst bei Stifel Nicolaus & Co. So stiegen auch die Kurse anderer Krankenversicherer wie Molina Healthcare, WellCare oder Centene im Schnitt um 19 Prozent.

WellPoint hatte der Amerigroup ein hohes Angebot gemacht, um von vornherein Mitbewerber auszuschließen. „Wir sind etwas überrascht davon, dass Amerigroup verkaufen will“, sagt Carroll: „Es gibt gerade ein so großes Wachstum im Medicaid-Bereich, warum also nicht selbst mitmischen? Aber ich denke, der Preis war einfach zu gut, um das Angebot auszuschlagen.“

Die Unternehmen teilten mit, dass die Übernahme im ersten Quartal 2013 vollzogen sein sollte. Amerigroups Aktionäre werden 92 Dollar pro Aktie erhalten, was 43 Prozent mehr ist als der Schlusskurs vom 6. Juli 2012. Der Deal macht WellPoint mit 4,5 Millionen Mitgliedern zum größten privaten Versorger von Medicaid-Versicherten.

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