Tropenkrankheiten

Kompakter Chagas-Test soll Heilungschancen steigern

Die Tropenkrankheit Chagas soll einfacher nachgewiesen werden können. Internationale Forscher entwickeln derzeit ein günstiges Detektionssystem. Bislang existiert kein Impfschutz gegen Chargas – die Behandlungen sind zur Zeit noch mit schweren Nebenwirkungen verbunden und für viele Betroffene unbezahlbar.

Chagas ist eine lebensgefährliche Tropenkrankheit: Sie wird durch Insekten und verunreinigte Bluttransfusionen auf den Menschen oder von Schwangeren auf den Embryo übertragen. Weltweit sind fast 10 Millionen Menschen infiziert – hauptsächlich in Mittel- und Südamerika sowie in Teilen der USA. Durch Touristen oder Einwanderer gelangt die Krankheit inzwischen auch nach Europa.

Überträger sind Raubwanzen, deren Biss die Wunde kontaminiert und letztlich nach mehreren Schritten die Infektion überträgt. Die akute Phase der Erkrankung beginnt nach vier Wochen und kann ebenso lange andauern. Von den Symptomen wie lokalen Rötungen, Schwellungen im Wundbereich, Fieber oder Übelkeit sind 30 – 40 % der infizierten Personen betroffen. Eine Therapie schlägt nur in dieser Phase des Krankheitsverlaufs an.

Mikrofluidische Kartusche mit integrierten Reagenzien und Pumpen, die zum Test auf eine Chagas-Infektion genutzt werden kann. Entwickelt hat sie das Fraunhofer-Institut. (Foto: Fraunhofer ENAS/Andreas Morschhauser)

Mikrofluidische Kartusche mit integrierten Reagenzien und Pumpen, die zum Test auf eine Chagas-Infektion genutzt werden kann. Entwickelt hat sie das Fraunhofer-Institut. (Foto: Fraunhofer ENAS/Andreas Morschhauser)

Nach einer, mitunter jahrelangen, symptomfreien Phase kommt die chronische, akute und oft tödlich verlaufende Krankheitsphase: Bei etwa 20 % der Infizierten vergrößern sich das Herz und die Verdauungsorgane bis sie versagen. Wissenschaftler sind besorgt, denn bislang existiert kein Impfschutz. Derzeitige Behandlungsmethoden sind nicht nur mit schweren Nebenwirkungen verbunden, sondern auch für viele Betroffene unbezahlbar.

Unter der Leitung des Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) entwickelt ein Europäisch-Brasilianisches Konsortium einen Vor-Ort-Test, vergleichbar mit Laboranalysen, der zuverlässig und schnell die Infektion erkennt.

Wissenschaftler aus acht europäischen und fünf brasilianischen Forschungseinrichtungen und Firmen entwickeln ein kompaktes, preisgünstiges Detektionssystem, das den Erreger an jedem Ort nachweist. Mit dabei sind drei Partner der Heterogeneous Technology Alliance HTA: das französische CEA Leti, das Fraunhofer ENAS aus Deutschland und Teknologian tutkimuskeskus VTT aus Finnland.

Über die Erreger-DNA und die Immunantwort des Körpers erfolgt der Nachweis – beispielsweise mit einer Blutprobe. Der Test erlaubt eine hochspezifische Diagnostik in allen Stadien der Infektion; inklusive Vorbehandlung der Proben hat das gesamte Testsystem die Größe eines Handys.

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